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  Über uns
 

 


 
Nur wer die Herzen bewegt, bewegt die Welt.
(Ernst Wiechert)
















Karina Derl, geboren 1977 in Wien/ Österreich, wohnhaft in Deutschland seit ihrem zehnten Lebensjahr, ist Sozialarbeiterin, Erlebnispädagogin und Reiseverkehrskauf- frau. Sie hatte schon immer großes Interesse an fremden Ländern, Kulturen und Sprachen und kann so bereits vor der Fahrradweltreise auf jahrelange Erfahrungen im Ausland zurückblicken. Aufs Fahrradreisen ist sie durch Jan gekommen. In der Zwischenzeit sieht sie diese Art des Reisens als die Intensivste an, die sie jedem nur empfehlen kann. Besonders begeistert sie die Langsamkeit und Unmittelbarkeit dieser Reiseform. Radfahren bietet sowohl die Möglichkeit, sein Umfeld intensiv wahrzunehmen als auch, völlig bewusst bei sich selbst zu sein. Es fordert auf, über die eigenen Grenzen zu gehen und stärkt so das Selbstwertgefühl. Jan Matous, geboren 1982 in Offenbach/ Deutschland, hat Erziehungswissen-schaften, Psychologie und Soziologie, Schwerpunkt Sozialpädagogik studiert und ist Erlebnispädagoge. Er hat seine Reiselust und sein Interesse am Outdoor-Leben vor allem in seiner Kindheit und Jugend entwickelt, als er mit den Pfadfindern in viele Teile Europas reiste. Während seines Studiums jobbte er unter anderem als Fahrradkurier. Dabei begeisterte ihn vor allem, welch große Entfernungen er einzig und allein mit dem Fahrrad zurücklegen konnte. Jan liebt besonders sportliche Herausforderungen, ist überaus begeisterungsfähig bei der Erkundung der Natur und immer auf der Suche nach neuen kulinarischen Genüssen der Welt.



 
Das Leben ist wie Radfahren. Um das Gleichgewicht zu halten, muss man in Bewegung bleiben.
(Albert Einstein)














Geschrieben am 2.10.2012 als „Fazit - Halbe Welt“
im Rahmen eines schriftlichen Interviews mit Nokia, einem unserer Sponsoren.


Zu  den Anfängen: Könnt ihr euch noch daran erinnern, als die Idee der Weltumradelung erstmals aufkam?
Wie viel Zeit ist zwischen diesem Moment und dem Tag der Abreise vergangen?

Zwischen dem Moment der puren Idee (2006) und dem Tag der Abreise (2011) lagen etwa 5 Jahre. 
Jan: Vor einigen Jahren – ich arbeitete gerade als Erlebnispädagoge bei einem Anbieter für erlebnispädagogische Klassenfahrten und Outdoortrainings – vertrieb ich mir eine Pause mit einem sehr vereinfacht dargestellten, digitalen Globus auf meinem alten Handy. Durch die schlechte Auflösung erweckte der Globus den Eindruck, man könne nahezu ohne Wasserweg von Russland nach Alaska und weiter nach Amerika fahren (abgesehen von den örtlichen Bedingungen :-). Allein dieser Umstand begeisterte mich so sehr, dass ich den Gedanken weiter führte: ‚Mit eigener Muskelkraft die Welt umrunden...’ – welch erhebendes Gefühl! Erst über längere Zeit hinweg festigte sich das bloße Gedankenspiel zu einem ernsthaften Wunsch, der lange Zeit allerdings eher unter der Kategorie ‚irgendwann einmal’ lief.
Die Idee der rein sportlichen Herausforderung wurde nach und nach zu einer Möglichkeit, mein Weltbild zu verändern und die Vielfalt unserer Erde in seiner vollen Bandbreite zu erleben. Mir wurde klar, dass ich mehr als das geregelte und verhältnismäßig sichere Deutschland sehen muss, um wenigstens ansatzweise erkennen zu können, in welcher Welt ich lebe. In Karina habe ich die Person gefunden, mit der ich mir ein solch großes Vorhaben vorstellen kann.
Karina: Als Jan mir von seiner Idee erzählte, war ich sofort begeistert. Das Erkunden von Orten auf dem Fahrrad hat mir schon immer gefallen, auch wenn ich es mir in so großem Maße noch nie vorgestellt hatte. Außerdem bin ich sehr gerne in der Natur und neugierig auf fremde Länder und Kulturen.

Ist vor allem der Weg das Ziel oder habt ihr konkrete persönliche Ziele, die ihr mit der Reise verbindet?
Sowohl als auch… :-) Natürlich steht der Weg im Vordergrund, denn allein das Vorankommen mit unterschiedlichsten Bedingungen in den verschiedenen Ländern erfordert stetige Weiterentwicklung. Hinzu kommt die Vorstellung, mitten in diesem unglaublichen Vorhaben zu sein und sich immer wieder daran zu erinnern, dass man seine Wünsche und Träume tatsächlich realisieren kann, wenn man bereit ist, alles Nötige dafür zu tun.
Gemeinsam verfolgen wir das Ziel, uns gemeinnützig einzusetzen. Es ist ein gutes Gefühl, ein klein wenig davon zurück geben zu können, was uns schon Tolles auf der Welt widerfahren ist. Doch dafür braucht es nicht unbedingt Projekte. Jedes Gespräch, das wir mit Menschen führen, die unseren Weg kreuzen, birgt die Möglichkeit, andere mit unserem Beispiel zu inspirieren, an ihre Träume zu glauben. Das liegt uns sehr am Herzen.
Jan: Solch einer Reise gibt mir die Möglichkeit, meine Ansichten neu zu ordnen. Ich sehe mit eigenen Augen, wenn auch nur in Ausschnitten, ferne Länder, die mir bisher von Medien nur ‚vorverdaut’ präsentiert wurden.
Ich nehme wahr, was manche im Alltag vor sich hin lebenden Menschen nicht sehen: die außerordentliche Vielfalt, Schönheit und Freundlichkeit der Welt und der darauf lebenden Menschen, aber genauso auch das Leid und die Zerstörung. Für Karina und mich bietet die Fahrradreise immer wieder aufs Neue die Möglichkeit, die Stärke unserer Bindung auf die Probe zu stellen, zu intensivieren und krisensicher werden zu lassen. Herausgetreten aus dem sozialen und kulturellen Netzwerk der Heimat, nutze ich die Herausforderungen, die Zeit und Freiheit des Reisens, um meine Stärken auszubauen und im Gegenzug meine Schwächen zu verringern. Ganz ‚nebenbei’ ermöglichte die Reise mir zusätzlich, mein Englisch deutlich sicherer werden zu lassen und Spanisch zu lernen.
Karina
: Besonders herausfordernd an der Fahrradweltreise finde ich das Arbeiten an meinen Grenzen, ob in körperlicher oder geistiger Hinsicht. Ganz besonders meine Durchhaltefähigkeit und meine Geduld werden immer wieder hart in die Zange genommen, wenn ich z. B. müde bin und vor mir der nächste Berg oder Gegenwind warten. Definitiv wird mein Vertrauen gestärkt, viel mehr schaffen oder aushalten zu können, als ich es zunächst für möglich gehalten hätte. Dafür bin ich schon jetzt sehr dankbar, auch wenn wir erst die halbe Welt umrundet haben. Ein weiteres ganz persönliches Ziel ist die positive Auseinandersetzung und Entwicklung mit Jan. Durch unsere beständige Nähe entsteht viel Reibungsfläche, die Raum für Wachstum geben kann, sofern wir verstehen sie zu nutzen.

Was ist das Großartigste, das euch bislang widerfahren ist?
Die Gastfreundschaft! Wir staunen immer wieder über die Freundlichkeit, Großzügigkeit und Vertrauenswürdigkeit, die uns - als völlig Fremden - bisher in jedem Land entgegen gebracht wurden! Es gibt deutlich mehr freundlich gesinnte Menschen auf der Welt, als man von den Nachrichten vermittelt bekommt.

Welche Schwierigkeiten/Hürden gilt es zu bewältigen?
Habt ihr evtl. manche Hürde als unüberwindbar abgehakt?

Die Hürde, der wir am Häufigsten begegnen ist das Wetter in all seinen Formen. Sei es beispielsweise unsere Fahrt durch
Zentralamerika während der Regenzeit. Regenzeit bedeutet, es ist heiß bis 50°C in der Sonne, sehr schwül und phasenweise extrem regnerisch. Auch die Gefahr von Hurrikans oder Taifunen ist nicht zu verachten. In Belize waren wir bereits einmal von den Ausläufern betroffen und mussten mit ansehen, wie die Anwohner ihre Häuser und Geschäfte mit Brettern und Wellblechen gesichert haben. In Norwegen und auf Island waren es der kalte Regen und der Wind, der unsere Finger selbst im Sommer eingefroren und unbeweglich gemacht hat. In den USA der Schnee und die Kaltfronten von bis zu - 16 °C. Auch Berge sind Hürden, vor allem für Karina. Bisher haben wir jedoch jeden geschafft - auch die Anden in Südamerika. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass alle Hürden irgendwie zu meistern sind.
Eine Hürde, die immer wieder aktuell ist, ist der Umgang mit dem Risiko, von Kriminalität betroffen zu sein. Uns wird schon etwas mulmig, wenn wir wissen, dass nur wenige Tage zuvor andere Radreisende auf der gleichen Straße ausgeraubt wurden. Wir reagieren darauf, indem wir nur bei Tageslicht reisen und Ratschlägen von Anwohnern Glauben schenken, welche Orte gemieden werden sollten. Planen, dieser Hürde auszuweichen, wollen wir aber natürlich nicht. Wir sind der Ansicht, dass unsere Welt weit weniger gefährlich ist, als uns das die Nachrichten weiß machen wollen.
Und schließlich ist auch das Risiko, krank zu werden, eine Hürde, der wir begegnen müssen. Wir befinden uns in Gebieten, in denen Krankheiten über Tiere (Malaria, Denguefieber), Wasser oder Nahrung (Parasiten, Hepatitis A) übertragen werden. Wir schützen uns mit Impfungen, Mückenschutzmitteln, einem Wasserfilter und gesundem Menschenverstand, können aber nicht allen Gefahrenquellen ausweichen. Und das wollen wir auch gar nicht, denn gerade die Kultur eines Landes lernt man am Besten über seine kulinarischen Genüsse und das In-Kontakt-Kommen kennen.

Der vielbeschriebene „Culture Shock“ schockt euch nach den vielen Erlebnissen und Begegnungen in den unterschiedlichsten Ländern mittlerweile wohl weniger. Was war dennoch das verrückteste Erlebnis bislang?
Zwei Begebenheiten haben uns bisher am Stärksten vermittelt, fremd zu sein. In den USA reisten wir gerade durch die trockene Wüsten- und Steppenlandschaft des südöstlichen Kaliforniens. Weit entfernte Besiedlungen machten eine Etappenplanung alleine wegen der Wasserversorgung notwendig. Als wir nach einem anstrengenden Tag in der Geisterstadt Amboy ankommen, finden wir jedoch zu unserem Erstaunen kein Süßwasser in den Leitungen, sondern lediglich ungenießbares Salzwasser. Wasser gab es in kleinen Flaschen zu sündhaft teuren Preisen zu erstehen.
Die zweite Begebenheit spielt sich im Süden Mexikos ab. Wir befinden uns in der Regenzeit und quartieren uns zugunsten einer besseren Erholung statt im Zelt in einer günstigen Unterkünft ein. So landen wir in einem Dörfchen namens Raudales de Malpaso, in das sich äußerst selten Touristen verirren. Auf der Straße werden wir angestarrt wie Außerirdische. Anstatt uns anzusprechen werden wir auf Schritt und Tritt mit Blicken verfolgt, die Blicke werden jedoch abgewandt, sobald wir Augenkontakt aufnehmen wollen und dann hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Wir wissen, wir sehen anders aus als die Einheimischen - immerhin befinden wir uns bereits seit mehreren Monaten in Mexiko - doch so fremd haben wir uns noch nirgendwo gefühlt. Wie muss das erst in Ländern sein, wo wir noch mehr auffallen und uns dann nicht einmal mehr mit einer gemeinsamen Sprache aushelfen können. In Asien oder Afrika zum Beispiel?!

Welchen Tipp würdet ihr denjenigen geben, die ähnliche Vorhaben umsetzen möchten?
1. Nicht zu viel planen, lieber losfahren! Wir haben schon einige Menschen getroffen, die “so etwas schon immer mal vorhatten”, aber nie gestartet sind.

2. In Ländern beginnen, in denen man sich wohl fühlt. Das macht den Start leichter.
3. Realistische Ziele setzen (bzgl. Distanzen, Pausentagen, etc), vor allem am Anfang. Das stärkt die Motivation und das Durchhaltevermögen.
4. Freundlich sein, dann wird man freundlich behandelt. Das hinterlässt ein gutes Gefühl bei allen Beteiligten und hilft dem Nächsten, der nach einem kommt…
5. Sich bei Fragen oder Unsicherheiten mit anderen Reisenden austauschen und im Internet, z.B. in Foren, informieren. Es gibt tausende hilfreiche Informationen, wenn man sie nur sucht.

Culture Shock andersherum: auch wenn ihr da aktuell noch nicht dran denken mögt,
wie schätzt ihr den Effekt des „reversed Culture Shocks“ ein, wenn ihr eines Tages wieder zurückkehrt?

Wir schätzen das als geringeres Problem ein. Wir haben bereits genügend Länder kennen gelernt, um uns darüber bewusst zu sein, dass jedes seine Vor- und Nachteile hat. Es kommt immer darauf an, wo man seine Prioritäten setzt und was man aus dem macht, was man hat. Deutschland hat Wunderbares zu bieten! Wir werden uns vor allem freuen, unseren Familien und Freunden wieder näher zu sein. Auch wird es schön sein, mal wieder ankommen zu können und nicht immer nur weiter zu reisen. Schon jetzt während der Reise haben wir immer wieder das Bedürfnis, an einigen Orten auch mal ein wenig länger zu verweilen, um uns ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen und die vielen Eindrücke verarbeiten zu können. Nebenbei bekommen wir so das 'normale' Leben mit, was äußerst aufschlussreich für das Kennenlernen eines Landes ist.

Schon Pläne für die „Zeit danach“?
Besonders in der Ferne wird einem der Wert wichtiger Menschen bewusst. Wir freuen uns auf das unkomplizierte Beisammensein mit unseren Freunden und Familien! So komisch es klingt freuen wir uns außerdem durchaus auch aufs Arbeiten - da hat man mehr Freizeit, als beim Weltreiseradeln…  ;-) Und ja, wir haben geplant, etwas aus unseren Erlebnissen zu machen. Welche unserer Ideen, an denen wir nebenbei arbeiten, zuerst umgesetzt wird, ist noch nicht entschieden.

 

 


 

 
   
 
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