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  2. Quartal 2013
 
   

13.05. – 23.09.13 Deutschland
In unserer Reisepause nutzen wir die Zeit, all die lieben Menschen wiederzusehen, die uns so lange gefehlt haben, aber auch, um unsere Reisekasse ein wenig aufzufüllen.

Unsere Ausrüstung erweitern wir durch neue Rad-Ersatzteile (ein riiiiesiges Danke an Patria, die uns wieder einmal unterstützen!), teilweise neue Kleidung und Fahrradtaschen (danke an Vaude, die uns im Preis sehr entgegen kommen!), neue Windows Phones, die uns von Nokia bereitgestellt werden (danke, danke, danke !) und eine neue Kamera.
Wir klappern zur Vorsorge und Nachimpfung alle möglichen Ärzte ab, die uns aber alle glücklicherweise für völlig gesund erklären. Jans Hausarzt stellt uns darüber hinaus sogar freundlicherweise eine Notfallapotheke zusammen.
Mit dem gewonnenen Abstand überdenken wir unsere Reiseroute und verbinden unsere bisherigen Erfahrungen mit der weiteren Planung. Die Ergebnisse sind selbst für uns verblüffend: Die Zeit, die wir für Australien einkalkuliert haben, würde uns bei unserer Reisegeschwindigkeit auf der gesamten weiteren Reise schlechtere Wetterbedingungen bescheren und so entscheiden wir uns, direkt von Neuseeland nach Singapur zu fliegen. Über Land wollen wir bis Nepal und zurück nach Indien reisen und schließlich nach Afrika übersetzen. Die Möglichkeit, auf dem Landweg nach Europa zu radeln schließen wir jedoch nicht gänzlich aus. Geplante Rückkehr nach Deutschland ist nach dem bisherigen Stand der Planung der Frühsommer 2015.

 

13.05.13 Mainz, ZDF Fernsehgarten
Die heutigen Geschehnisse bestehen aus Spannung, Freude, Tränen und Liebe.

Karina überrascht bereits vor der Fernsehshow ihre Mutter Miriam mit Hilfe ihres Bruders Stefan. Jan muss noch ein wenig warten. Den Moment des Wiedersehens könnt ihr hier per Video miterleben:
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08. – 13.05.13 Mainz, Deutschland
Wir fliegen „gerade mal“ um die halbe Welt und realisieren zum zweiten Mal, WIE weit Neuseeland eigentlich von Deutschland entfernt ist. Am Frankfurter Flughafen werden wir bereits von einem freundlichen Fahrer des ZDF in ein Mainzer Hotel gefahren. Deutsche Sprache überall, bekannte Orte, die ungewohnte, aber geordnete Geschwindigkeit auf der Autobahn, Rechtsverkehr.
Mit einem ordentlichen Jetlag im Gepäck nehmen wir erst einmal nur nebenher wahr, in welch edlem Hotel wir untergebracht sind. Bevor wir uns ordentlich ausschlafen, erlauben wir uns trotz der Gefahr, von Bekannten gesehen zu werden (Jan wohnte früher nur wenige Kilometer entfernt), einen kleinen Spaziergang durchs frühlingshafte Mainz. Ob man sich nun dafür schämen muss oder nicht, unser erster Gang führt in einen Supermarkt und wir kaufen all die Lebensmittel, die uns während der letzten 2 Jahre fehlten: dunkles Brot, verschiedene Käsesorten, Salami, gute günstige Schokolade, etc. Anschließend essen wir beim Türken einen Döner .

Beim Anblick des Frühstücksbuffets am nächsten Morgen geraten wir ins Schwindeln. 10 Meter aneinander gereihte Köstlichkeiten! Wir danken dem Schicksal für unser Glück! Wie hauptsächlich durch den langen Aufenthalt in Lateinamerika gewohnt, grüßen wir fröhlich die anderen Hotelgäste… und werden an eines der Gesichter Deutschlands erinnert: Niemand schenkt uns ein Lächeln oder einen Gruß, es scheint wichtiger zu sein, trübselig sein Brötchen anzuschauen, ohne den uns alle umgebenden Luxus zu erkennen…
 

05.05.13 Christchurch
Bereits in Ecuador erhielt Jan eine Mail des ZDF (öffentlicher deutscher Fernsehsender) mit der Frage, ob er es sich vorstellen könnte, im Fernsehgarten zum Muttertag seine Mutter zu überraschen – sämtliche Kosten für uns beide würde der Sender natürlich übernehmen... Eingefädelt wurde das Ganze von Jans Vater, der sich auf eine Anzeige in der Zeitung meldete. Natürlich lassen wir uns die Möglichkeit nicht entgehen, nach über zwei Jahren unsere Familien endlich wieder zu sehen!
Strengste Geheimhaltung ist oberste Prämisse, weshalb wir nicht ein Wort der Vorfreude laut werden lassen durften. Nun ist es also endlich so weit: Wir sehen Deutschland wieder, unsere Familie, unsere Freunde und kehren - auch wenn eine Reisepause nie eingeplant war - zum Ausgangspunkt unserer Weltumrundung zurück.

Bei unseren Bekannten Nigel und Caroline, die wir zufällig in Kanada kennen gelernt haben, verbringen wir die letzten Tage vor unserer Heimkehr, machen uns fertig für den Flug nach Deutschland und dürfen sogar unsere Ausrüstung bei ihnen zurücklassen. Das ist eine ganz großartige Hilfe!
 

01.05.13 Te Anau

Selbst mit einem Campervan ist es in Neuseeland selten erlaubt, über Nacht an einem Ort zu bleiben. Glücklicherweise lernen wir an einem Strand zufällig Kelly kennen, die uns erlaubt, in ihrem Garten zu parken. Sie und ihr Mann Dale haben gemeinsam 10 Kinder zwischen 3 und 20 Jahren. Wir sind verblüfft, zu sehen, dass diese Riesenfamilie tatsächlich wunderbar zu funktionieren scheint und jeder seinen Teil beiträgt.

31.05.13 Tuatapere
Für die nächsten Tage begleitet uns Jans Bekannter Leif aus Deutschland, der gerade ebenfalls durch Neuseeland reist und an verschiedenen Orten arbeitet.

 

28.04.13
Wir haben uns immer riesig gefreut, wenn uns Menschen auf dem Weg etwas Gutes getan haben. Da wir gerade als „normale“ Leute reisen, erfreuen nun WIR mal die Radreisenden, die uns auf der Straße begegnen. Die Schokolade haben wir immer griffbereit und mehrmals wird aus einem schnellen „Hallo“ noch ein Mittagessen oder längeres Gespräch. So lernen wir beispielsweise den deutschen Radler Kai kennen.

Jan will sich für ein Foto mal richtig in Pose setzten … Bekommt dann aber doch kalte ähhh nasse Füße

27.04.13 Otago Halbinsel
Der heutige Tag ist für die Otago Halbinsel eingeplant. An keinem anderen Ort Neuseelands kann man so einfach Wildleben beobachten, darüber hinaus finden wir einmalig schöne Strände, wie z.B. die Sandfly Bay (zum Glück heißt der so wegen des fliegenden Sandes und nicht aufgrund der vielen Sandflies ). Dort sieht Jan seinen ersten Pinguin in der Wildnis und steht 10 m neben kämpfenden Seelöwen! Karina hat einen anderen Weg gewählt und kommt für heute zu spät.
Die Königsalbatrosse besuchen wir übrigens nur fast, auch wenn das Jans großer Wunsch war. Um für einige Minuten (!) in die Nähe der Tiere zu gelangen, hätten wir zusammen 100 Dollar zahlen sollen!! So eine Unverschämtheit wollen wir einfach nicht unterstützen!

26.04.13
Mitten in der Wildnis finden wir die größten Äpfel, die wir je gesehen haben und decken uns für die nächsten Tage reichlich ein. Geschenkte Früchte sind doch die allerbesten

Zum Cowboy hat es Jan noch nicht geschafft, heute verdient er sich immerhin den Titel „Sheepboy“, als er ein hoffnungslos verlorenes, junges Schaf einfängt. Irgendwie ist es auf die andere Seite des Stacheldrahtes gelangt und konnte nicht wieder zurück zur Herde finden.

24.04.13 Christchurch
Wir sitzen über der Landkarte und beratschlagen uns. Es gibt hier einfach zu viel, an weit entfernten Orten zu sehen und wir habe zu wenig Zeit (Warum, dazu am Muttertag, also dem 12.05., mehr…;) ). Auch ist das Wetter gerade ziemlich kräftezehrend. Schließlich entscheiden wir uns, für 12 Tage das erste Mal im Leben einen Campervan zu mieten! Wir sind der Meinung, uns diesen kleinen Luxus nach 24.000 km autofreier Zeit verdient zu haben.
Natürlich haben wir nicht irgendeinen Camper, sondern das „Haunted“ Modell mit Horrordesign , ein Wicked Mobil, für den wir gerade mal 10 € pro Tag zahlen, da Nebensaison ist. Oft kommt es vor, dass uns Leute freundlich grüßen und dann schnell das Weite suchen, wenn sie sehen, in welches Auto wir steigen.
Es ist ein Luxus, den wir uns gerade größer nicht vorstellen können: Das erste Mal seit einer Ewigkeit haben wir „unsere eigenen vier Wände“, wir können für eine gesamte Woche Lebensmittel mitnehmen und Regen ist uns gerade SOWAS von egal – wir können ja immer in ein trockenes Plätzchen zurückkommen .

21.04.13 Arthurs Pass
Nasses, kaltes Wetter zermürbt heute unsere Kräfte, als wäre es nicht schon genug, die südlichen Alpen mit Steigungen bis 18 % auf engen Straßen zu überqueren. Wir erahnen, dass die Aussicht jede Mühe wert wäre, wenn nur nicht jeder der Berge um uns hinter einer Wand aus weißen Wolken verborgen wäre.
Im höchst gelegenen Dorf Neuseeland, Arthurs Pass auf 740m, wärmen wir uns völlig durchgefroren und entkräftet in einem Restaurant auf, wenn auch die enormen Preise uns fast wieder vor die Tür gejagt hätten – weit und breit gibt es jedoch keine andere Siedlung.
Vor der Tür gab es mehrere „Kea“ Warnschilder. Tatsächlich kann man hier ohne große Probleme die einzigen Bergpapageien zu sehen bekommen. Der Kea ist nicht nur eine der wenigen Papageienarten, die sogar im Schnee überleben können, sondern ebenfalls überaus intelligent und neugierig .
Sie lieben beispielsweise die Gummiteile der Autos und richten damit ordentlich Schaden an. Viele Farmer sähen diesen seltenen Vogel auch lieber tot, da sie in harten Wintern die Schafe attackieren. Von uns aus dürfen sie gerne leben, wenn sie in Zukunft Karinas Fahrradtaschen oder den am Fahrrad befestigten Müll in Ruhe lassen, anstatt ihn über die gesamte Straße zu verteilen, während wir gerade aus dem Restaurant kommen, um nach den Rädern zu sehen!

 (wenn es uns nicht so prima geht, machen wir irgendwie weniger Bilder ...)

20.04.13 vor den südlichen Alpen
Das Wetter macht gerade keinen sehr freundlichen Eindruck (Regen und heftigster Gegenwind, bei dem wir um unser Zelt fürchten) und so fahren wir abends einige hundert Meter von der Hauptstraße ab, um bei einem Hof nach dem Carport als Windschutz für unser Zelt zu fragen.
Ein wenig schüchtern nähern wir uns dem Haus – man weiß eben nie, ob man willkommen ist. Nicht einmal verwundert empfangen uns Anne, Michael & Mollie und im Nu sind wir in einer Garage mit Bett und Strom untergebracht und dürfen das Bad benutzen.

18. & 19.04.13 Hokitika
Wir erreichen die beste Adresse in Neuseeland für Greenstone bzw. Jade. Unser Ziel ist jedoch nicht ein teurer Schmuckladen, sondern das Haus von Kevin - endlich mal wieder ein Gastgeber über „Warmshowers“. Fahrradfahrer ist er zwar nicht, jedoch absolut Outdoor-begeistert und in früheren Jahren Speläologe (oder einfacher: Höhlenforscher). Das Standardprogramm für seine Besucher ist ein Triathlon der besonderen Art: Karina fährt mit dem Rad etwa 10 km an das andere Ende eines Sees, läuft dann einige Kilometer durch den für Neuseeland typischen kalten Regenwald (wunderschön!) während Jan den See mit einem Kajak durchquert. Am Ufer wechseln wir und kommen so wieder zum Ausgangspunkt, wo Kevin schon auf uns wartet. Er ist zurzeit gesundheitlich angeschlagen und begnügt sich mit einem Waldspaziergang.

Die Westküste ist bekannt für schöne Edelsteine, die aus den Bergen heruntergespült werden. Jade finden wir natürlich nicht, aber echt schöne Steine, die gute kleine Geschenke für neue Freunde hier im Land abgeben.

16.4. Crow Bay
Die Wetcoast macht ihrem Spitznamen alle Ehre, als es nach nur einem Pausentag weitere zwei Tage durchregnet. Zudem gibt es kaum Zeltmöglichkeiten, denn die Straße auf der wir fahren ist direkt zwischen Hang und Meer gebaut. Also fragen wir bei einem Privathaus nach einem Schlafplatz in der Garage, denn auf mehr nasse Sachen als wir bereits besitzen haben wir keine Lust. Paul bietet uns ohne mit der Wimper zu zucken, lieber ein Zimmer an. Er ist Gäste gewohnt, denn er lädt gerne Wwoofer (Willing Workers on Organic Farms, die gegen Kost und Logis arbeiten) auf seine Mini-Farm mit kunstvoll angelegtem Garten ein.

14.04.13 Entlang des Buller Rivers
In Lateinamerika waren wir als Fahrradreisende grundsätzlich etwas Außergewöhnliches. Hier treffen wir wieder wie in guten alten Zeiten am Küstenweg Norwegens fast täglich auf Gleichgesinnte wie dieses nette Pärchen aus Frankreich. Sie lachen über unseren Schlafplatz, den wir direkt neben der Straße an einem Picknickbereich aufgebaut haben, denn vor ein paar Monaten hatten sie aus Ermangelung einer besseren Gelegenheit genau hier auch ihr Zelt aufgeschlagen...

Wir erreichen die Westküste – einen der regenreichsten Orte der Erde. Seit 5 Wochen gab es an der sog. „Wetcoast“ jedoch den geringsten Regen seit unzähligen Jahren. „5 Wochen Sonnenschein“ schwärmen die entgegen kommenden Reisenden. Natürlich ist das genau HEUTE vorbei und es regnet wie eh und je . Trotz durchweichten Sachen und nassen Füßen freuen wir uns über die südlichsten Palmen der Erde, ein raues Meer und eine Seehundkolonie aus nächster Nähe.

 

„JUHUUUU ein Kiwi!!! Direkt vor unserer Kamera! Und dabei ist der SOOO selten!“… Immer wieder geraten Touristen angeblich ganz aus dem Häuschen, wenn sie diesen flugunfähigen Vogel sehen. De facto ist dies jedoch ein „Weka“, der zwar auch nur hier zu finden ist, jedoch weitaus häufiger vertreten und weniger selten

Als wir uns am Abend einen Zeltplatz unter der Brücke in der Nähe des Buller Rivers suchen, wissen wir noch nichts von unserem Glück. Über sie wird nicht geredet, wenn man sich über die Schönheit Neuseelands auslässt. Jeder, der jedoch schon einmal da war, weiß, wovon wir sprechen: wir machen Bekanntschaft mit den heimlichen Herrschern des Landes: den Sandflies – kleinen, aber unzählbar vielen, fiesen Blutsaugern!

 

12.04.13
Jan sieht beim Fahren neben der Straße einen wunderschönen Habicht, der ungewöhnlich lange am Boden sitzt. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir, dass er einen gebrochenen Flügel hat. Der Beschützerinstinkt in uns erlaubt uns nicht, weiter zu fahren. Mit einem gewagten Satz überquert Jan den Stacheldraht zur Wiese. Bewaffnet mit einem Handtuch und überhaupt keiner Erfahrung, wie man so etwas macht, fängt er den Vogel ein, der seltsamerweise sofort ruhig hält, als Jan ihn im Handtuch hat.
So weit so gut, was nun? Karina stoppt Autos und tatsächlich halten alle an. Erst im vierten ist jedoch auch eine Naturschützerin, die sich bereit erklärt, den Vogel zum nächsten Tierarzt zu bringen. Stolz, etwas Gutes getan zu haben, fahren wir weiter. Im nächsten Ort sehen wir Frau samt Vogel wieder und erfahren, dass Tierärzte hier „für Wildtiere nicht zuständig“ sind. Bei DOC (Department of Conservation), der richtigen Anlaufstelle erfahren wir, dass Habichte nicht einheimisch sind und ihm deshalb nicht geholfen wird. Das traurige Ende der Geschichte ist, dass beim nächsten Farmer der von DOC empfohlene schnelle Tod gewährt wird… Selbst in der Tierwelt haben es „Ausländer“ nicht immer leicht.

11.04.13 Wairau Valley
Tag für Tag bewegen wir uns durch die Welt – immer ein wenig weiter dem Unbekannten entgegen. Nun sind es auf den Tag genau 2 Jahre, die wir schon unterwegs sind!!! Mal können wir kaum fassen, schon zwei Jahre unterwegs zu sein, mal wälzen sich eine solche Flut von Erinnerungen und Erfahrungen der Reise über uns, dass es wie eine Ewigkeit erscheint, seit wir unser früheres Leben aufgegeben haben.

Erschreckend, dass wir gerade erst die halbe Welt umrundet haben und noch so Vieles vor uns liegt - aber auch aufregend, wie viele Schätze der Welt uns noch völlig verborgen sind...

 

Dieses Schaf sieht nicht nur äußerst potent aus, es ist sogar ein für seine hochwertige Wolle berühmtes Merino Schaf.

Die Straße ist eben, es regnet nicht, aber irgendetwas MUSS sich der Idylle ja  entgegenstellen. Wir kämpfen den GESAMTEN Tag mit stärkstem Gegenwind!! Am späten Nachmittag haben wir nach einem ganzen Tag Kampf gegen den Wind gerade mal 45 km geschafft. Unsere Motivation war schon mal höher… Genau in diesem Moment kommt eine Dame auf uns zu und stellt sich als Judy vor. Sie wohnt auf einem der wenigen umliegenden Höfe. „Wollt ihr heute nicht lieber hier bei uns bleiben?“ fragt sie „Morgen hat sich der Wind bestimmt gelegt. Ich habe ein Zimmer für euch und koche euch auch gerne ein Abendessen.“

Ist das nun Zufall oder werden Neuseeländer so langsam die gastfreundlichste Nation unserer Reise? Auf jeden Fall verbringen wir mit Judy und ihrem Mann Bruce einen sehr angenehmen Abend. Das vierte Mal in Folge in guter Gesellschaft mit neuseeländischem Wein und gutem Essen

10.04.13 Wairau Valley
Neuseeland ist nicht nur berühmt für die Landschaften von Herr der Ringe, sondern auch für seine Weine. Dessen Qualität lassen sich die Leute hier einigen Aufwand kosten. Um die Trauben so lange wie möglich reifen lassen zu können, gibt es hier auf der kälteren Südinsel überdimensionale „Ventilatoren“, die nachts den ersten Frost einfach wegblasen .

Bei so vielen Weingütern und privatem Land fällt es uns schwer, einen Schlafplatz in der Natur zu finden, außerdem ist das durch das „DOC“ (Departement of Conservation – eine Art Naturpolizei, die hier ordentlich was zu sagen hat… ) verboten. Wir fragen also beim erstbesten Haus und lernen die sympathische Lehrerin Erica kennen. Sie ist keineswegs überrascht, dass wir plötzlich vor ihrer Tür stehen und bietet uns sogar ein Zimmer an, statt uns zu zeigen, wo wir unser Zelt aufschlagen sollen. Als kleines Dankeschön wird sie wenigstens von uns bekocht .

Wir sind zurück in der westlichen Welt! Es gibt wieder Briefkästen

09.04.13 Picton
Wir beginnen unseren ersten echten Fahrradreisetag in Neuseeland! Es fühlt sich schon ein wenig gruselig an, wenn man vor sich eine nicht einsehbare Kurve hat und auf der LINKEN Seite der Straße fährt… Ansonsten gewöhnen wir uns recht schnell an den hier normalen Linksverkehr – ist auch nicht so schwer, wenn alle paar Minuten mal ein Auto kommt .
Wir haben beschlossen, mit der Südinsel anzufangen und müssen daher eine Fähre nehmen. Für etwa 50 € werden wir mitgenommen und dürfen sogar selbst unsere Fahrräder anbinden – also ausnahmsweise mal keine Transportschäden. Juhuu!

An Bord der Fähre ist alles ziemlich schick, während der 3,5-stündigen Überfahrt wird ein Film gezeigt. Wir setzen uns jedoch lieber ans Fenster und schauen der Weite entgegen. Mehrere hundert Meter entfernt sieht Jan etwas, das einem Drachen gleich im Wind gleitet. Entsprechend der Entfernung scheint ihm dieser Vogel RIESIG. Er muss 2 bis 3 Meter Flügelspannweite haben. Karina macht sich über Jan lustig. Später stellt sich jedoch heraus, dass wir einen Königs-Albatros gesehen haben… Diese können tatsächlich eine Spannweite von über 3 Metern erreichen… ätsch Karina .
Jan haben es diese Vögel angetan. Er recherchiert und findet heraus, dass „zufällig“ in Neuseeland, genauer auf der Südinsel, die einzige auf Festland brütende Kolonie der Welt zu Hause ist. Die Otago Halbinsel ist also schon mal als ein Reiseziel verbucht!

Wir wollten wirklich nur Wasser haben und einen Tipp, wo man in der Nähe zelten kann. Matthew und Catherine geben uns Wasser und erklären uns, dass es in der Nähe einen kostenlosen Campingplatz gibt – immerhin wissen wir bereits, dass Wildzelten in Neuseeland aus Naturschutzgründen wirklich nicht gerne gesehen wird. Wir bedanken uns und wollen weiter fahren, da kommt uns Matthew hinterher und meint wir könnten auch in ihrem Garten übernachten und um die Entscheidung leichter zu machen, würden sie uns auch gerne zum Essen einladen. Das ist doch mal ein guter Anfang – immerhin ist heute der erste Reisetag in Neuseeland. Lustigerweise ist zufällig noch ein weiterer Deutscher (ein Freund der Familie) zum Abendessen eingeladen. Da Matthew und Catherine hauptberuflich Honig produzieren, nutzen wir die Gunst der Stunden und erstehen ein Glas. Laut Karina der beste Honig, den sie jemals gegessen hat .

 

04. – 08.04.13 Porirua
Wir sind also endlich in Neuseeland! Am Flughafen begrüßt uns ein Maoritor mit Segensspruch. Das macht Eindruck auf uns .

Karinas Freundin Susi, momentan unser Engel , holt uns zwei entkräftete Reisende vom Flughafen ab und gibt sich mit ihrem Mann Chris alle Mühe, es uns an nichts fehlen zu lassen. Sie ist selbst bereits viel gereist und weiß genau, was wir nach langem Reisen, 4 Flügen durch die halbe Welt und jeder Menge Schlafentzug brauchen: Einen Ort zum zu Hause fühlen, Schlaf, leckeres Essen und „einige Tage mal nicht jemand Besonderes sein zu müssen“ . Danke für eure Gesellschaft und eure Gastfreundschaft!

Wir besuchen gemeinsam mit Susi, Poppy und Juno das Nationalmuseum „Te Papa“ in Wellington. Wir tauchen in diesem riesigen Museum, das mit sehr viel Liebe fürs Detail und vielen interaktiven Elementen aufgebaut ist, in die Geschichte Neuseelands, die Maori Kultur sowie die Tier- und Pflanzenwelt ein.  Ein prima Ort, um seinen Neuseelandtrip zu starten und dazu noch kostenlos.

Wer hätte das gedacht: wir können kaum noch die vielen neuen Früchte zählen, die wir auf der Reise kennen gelernt haben und finden doch immer wieder neue ! Heute essen wir "Feijoa" auf Deutsch Brasilianische Guave, die momentan in Neuseeland voll im Trend liegt und sogar angebaut wird. Schmeckt frisch, ein wenig säuerlich und ist so aromatisch, dass man meint, Parfüm zu essen. Wirklich lecker!

Nach ein paar schönen, erholsamen Tagen, machen wir uns für die Weiterreise bereit. Um starten zu können, müssen wir noch so einige Wehwehchen an unseren Fahrrädern beheben, die durch die Flüge (besser: durch die extrem grobe Handhabung seitens der Gepäckangestellten) verursacht wurden. Der Lack an Karinas Rad ist ordentlich beschädigt, bei Jans Rad waren es gleich zwei Löcher im Reifen, eine Acht im Hinterrad, ein abgerissenes Kabel und ein beschädigter Sattel! Krass, wenn man bedenkt, dass wir pro Rad 200 Dollar zahlen mussten… Darf man da nicht ein wenig Service erwarten?

 

01.04. – 04.04.13 Ecuador…USA…Neuseeland
Wir verlassen heute Ecuador, um nach Neuseeland zu fliegen – neuen Abenteuern entgegen… So zumindest der Plan. Schon unsere Reiseroute klingt ein wenig seltsam, aber es ist die einzig Verfügbare: Von Ecuador geht es zunächst nach Miami, was wirklich nicht die beste Richtung ist, um nach Neuseeland zu gelangen. Weiter nach Los Angeles, dann nach Auckland und schließlich nach Wellington, unserem Reiseziel im Süden der Nordinsel Neuseelands.


Bereits am Check-in in Ecuador heißt es, dass unsere Räder NUR in Fahrradboxen mitgenommen werden können, auch wenn wir zuvor anders informiert wurden. Bereits vor Abflug soll also der Flug scheitern… Karina lässt nicht locker und verlangt den Vorgesetzten zu sprechen. Nach einer Weile setzt sich Karina durch und rettet unsere Flugtickets  
   
In Miami stehen wir 3 Stunden am Einreiseschalter, obwohl wir nur den Transit und keine Einreise in die USA geplant haben. Hier werden alle gleich behandelt: man sammelt Fingerabdrücke , ein biometrisches Foto, wird über die Intention und das Ziel der Reise befragt und darf sein gesamtes Gepäck neu durchchecken lassen. Zum Glück lässt uns die Umsteigezeit genügend Raum, nicht in Stress zu geraten...  
In Los Angeles angekommen, denken wir, uns endlich entspannen zu können. Unser Gepäck wird automatisch von der American Airlines an die Air New Zealand weitergereicht und wir haben genügend Zeit zum Umsteigen. Beim Einchecken dann der Faustschlag ins Gesicht: Unsere Räder und der Anhänger werden wie Extragepäck behandelt und wir sollen 600 Dollar extra zahlen, obwohl auf der deutschen Homepage von Fluggesellschaft etwas völlig anderes steht und wir sogar telefonisch beim (deutschen) Kundendienst nachgefragt hatten. Man zeigt uns, dass die englische Homepage andere Infos enthält und hier niemand Deutsch versteht… Nun gut, was sollen wir machen… Doch dann kommt erst das RICHTIGE Problem! Da wir noch keine exakte Route für Neuseeland haben, besitzen wir noch kein Weiterflugticket. Wir gingen davon aus, dass ein Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel ebenso (wie in den USA) ausreicht. Ohne dieses können wir aber das Flugzeug nicht betreten! In völliger Hektik buchen wir online sofort Tickets nach, während wir noch eine halbe Stunde haben, bis unser Flieger startet. Eine Buchungsbestätigung bringt uns allerdings nichts und zum Bearbeiten unsere Anfrage im Reisebüro ist 03:00 Uhr nachts nicht die beste Zeit. Gnädigerweise wird unser Flug ohne Mehrkosten um 24h verschoben – unsere einzige Chance, dass die teuren Flugtickets nicht komplett verfallen.
Wir sind also in Los Angeles gestrandet. Und gleichzeitig nach wenig Schlaf am Flughafen vor der Abreise und der bisherigen Reise so komplett erschöpft, dass wir uns sogar ein Hotel nehmen – mit dem Geld, dass Karinas Vater uns gegeben hatte, damit wir es uns mal gut gehen lassen können. Dort schreibt Jan der Reiseagentur mitten in der Nacht von der Dringlichkeit unserer Angelegenheit und wir bekommen pünktlich zu Geschäftsbeginn unsere Tickets ausgestellt. Noch mal gut gegangen!
Im Flugzeug selbst erwartet uns ein völlig neuer Luxus, wie wir ihn von keinem Flug bisher kannten.
Am nächsten Morgen entdecken wir auf dem Weg zum Flughafen interessante Dinge Die drei wichtigsten Flaggen der USA: Nation, Staat und Mc Donalds
Haben uns gleich mal 2 dutzend Babys mitgenommen – bei 96 ct kann man sich ja nicht über den Preis beklagen .



 
   
 
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