nie-mehr-radlos
  3. Quartal 2014
 
   

Über den Dubai Creek, einen Fußgängertunnel unter dem Meer und die stark befahrene Autobahn, die glücklicherweise nicht für Radler gesperrt ist, fahren wir nach Sharjah, einem weiteren Emirat. Dort befindet sich der Hafen von dem aus wir in der Fähre "Iran Hormuz - 14" in den Iran übersetzen. Einzig das Ticketbüro ist etwas schwierig zu finden (Al Hili Marine Service LLC, Ground Floor, Al Ikhias Tower, Al Khan Road, Sharjah, Tel: +97165288575, E-mail: info@alhili.com), die Ausreiseformalitäten sehr einfach.

 

30.09.2014 Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
Neben all unseren Ausflügen, die sich so ganz von unserer sonstigen Reise unterscheiden, verbringen wir auch wieder viel Zeit mit Reparaturen an den Rädern, machen Karinas zerbrochene Tasche wieder flott und schreiben unsere Erlebnisse nieder.

29.09.2014 Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
Seit Wochen hoffen wir darauf, dass zwei sehnlichst von uns erwartete Pakete aus Deutschland hier ankommen. Leider gibt es bisher keine Spur von ihnen, also telefoniert Swetha mal beim Postamt nach. Dann ist gewiss: sie sind bis zum Flughafen in Dubai gekommen und wegen einer Privatadresse anstelle einer PO Box Adresse zurück nach Deutschland geschickt wurden... Ein echt harter Schlag, immerhin beinhalten sie Jans neue Bremsen, ohne die er nicht einen Meter mehr fahren kann. Auch unser Stromwandler, mit dessen Hilfe wir unsere elektronischen Geräte über den Nabendynamo aufladen konnten, ist defekt. Der Ersatz befindet sich ebenfalls im Paket, sowie ein neuer Akku für unser Netbook und unser zweiter Schlafsack, den wir bald wieder brauchen werden. Tja, so lernt man dazu...

 

Chris und Swetha setzen sich voll für uns ein und können uns wenigstens bei unserem größten Problem helfen. Sie kennen "Wolfi's Bikeladen", einen deutschen, bestens ausgestatteten Fahrradladen mitten in Dubai. Dort finden sich tatsächlich neue Bremsen für Jan (die benötigten Ersatzteile gibt es leider nicht). Spontan reihen sich Chris und Swetha in unsere Sponsorenliste ein, indem sie sich bereit erklären, die teuren Bremsen zu finanzieren. Danke für all eure Unterstützung!!

Chris und Swetha sind der Meinung, dass zu einer richtigen Dubai - Erfahrung auch auch eine Wüstensafari gehört. Da sie wissen, dass wir uns diesen Spaß nicht leisten würden, um unser Reisebudget nicht zu arg zu belasten, machen sie uns kurzerhand ein Geschenk daraus (als wären ihre Gastfreundschaft, der Besuch auf Atlantis etc. nicht längst genug).

Ein mit Überrollschutz ausgestatteter Geländewagen holt uns direkt vom Haus ab und bringt uns pünktlich zum Sonnenuntergang in die Wüste. Wir rasen bei so großer Schräglage über die Dünen, dass wir jedes Mal unvermeidlich fürchten, umzukippen. Quasi Achterbahn fahren mit Realcharakter . Anschließend bekommen wir in einer Karawanserei gleich auf einen Schlag die gesamte Touristenpalette geboten: Kamelreiten, Bauchtanz, einen Derwisch, Henna-Bemalung, Shisha rauchen und traditionelles Essen. Das ist mal effizientes Touriprogramm


Unser Lebenstraum: Einmal im Leben Araber sein – heute geht er in Erfüllung…

28.09.2014 Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
Der Hauptgrund überhaupt nach Dubai zu fliegen, ist die Beantragung unseres Iranvisums. Online mussten wir bereits im Vorfeld eine Registrierungsnummer über ein iranisches Reisebüro beantragen, mit der wir nun zur Botschaft gehen. Alles läuft nach Plan und so halten wir schon wenige Tage später unsere Iranvisa in den Händen. Alles für uns unverständlich in Farsi geschrieben und Karina von einem Kopftuch verhüllt: das Foto hatte sie extra für das Visum schießen lassen. Naja, das wird ja in Iran sowieso bald Standard... ;/.

 

Einen gemütlichen Spaziergang macht man hier nicht in der Natur. Gern vergisst man das bei all dem Trubel, doch immerhin liegt Dubai mitten in der Wüste und die Temperaturen passen sich da herrlich an . Spaziergänge macht man hier in einer der unzähligen Malls, wir z.B. der Dubai Mall, einer der größten der Welt. Selbst für unsereins, die den enormen Materialismus nur wie die Besucher eines Zoos bestaunen, gibt es hier viel zu tun. Die Gänge sind kunstvoll verziert und in Themen wie Frankreich, Persien oder Ägypten unterteilt.

 

Wolkenkratzer gibt es hier zwar fast so viele wie Sandkörner in der Wüste, doch jedes Gebäude hat seinen eigenen Charme. Es scheint, als handelten die Architekten nach einem geheimen Auftrag, möglichst viele verschiedene Formen zu entwickeln!

Wir stehen vor dem längsten Zahnstocher der Welt, 828 m hoch und "Burj Khalifa" genannt.

Zum Glück werden hier inzwischen Kinderwagen mit eingebauten Tablets beim Shoppen bereitgestellt - Sport oder zumindest Bewegung ist ja nach heutigem Stand der Wissenschaft für Kinder unzumutbar und sicherlich erbgutschädigend...

26.09.2014 Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
Heute ist Freitag, also zusammen mit Samstag Wochenende in Dubai. Freitag ist in der islamischen Kultur der wichtigste Wochentag.


Chris und Swetha führen uns zur Feier unserer Anwesenheit zum wahrscheinlich reichhaltigsten Frühstücks-Büfett unseres Lebens! Nachdem wenigstens Karina aus ihren alten Fahrradsachen gezogen und in ein Abendkleid gesteckt wurde (Danke, Swetha!), fahren wir zu Palm Island und besuchen dort Atlantis. Vor einem gigantischen Salzwasseraquarium bleiben wir staunend wie Kinder stehen und bewundern Adlerrochen, Haifische und andere Meeresbewohner aus dem Trockenen.


Das Büfett im Restaurant Kaleidoskop liefert, einfach ausgedrückt, Spezialitäten aus aller Herren Länder - wir essen uns von Italien über die Türkei nach Thailand und durch einen Schweizer Käse wieder nach Europa. Himmlisch

 

25.09.2014 Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
Yeeeaahaa! Unser letzter Flug der Reise ist überstanden! Den Rädern bekam der Flug ausgezeichnet. Jan wurde vor der Einreise nochmal gründlich auf Drogen untersucht - sein Bart ist ja auch wirklich eine Zumutung - dann sind wir in Dubai.

Wir fahren die 50 km zu unseren Gastgebern, Jan ohne Bremsen bzw. mit "Fußbremse" (danke, dass es in Dubai keine Berge gibt ..). Karina spürt die fast schlaflose Nacht auf dem Weg immer mehr und kann sich nur mit Mühe voran bewegen. Die Hitze tut ihr Übriges. Die Straßen sind nach Indien so glatt, dass es sich fast wie in einer Phantasiewelt anfühlt, zu radeln...

 

Gerade mal 20 Minuten, bevor wir unser Ziel erreichen, öffnet ein unachtsamer Beifahrer seine Tür, als Karina gerade vorbei fahren will. Radfahrer gibt es hier halt einfach ansonsten nicht..Das Ergebnis ist eine zerbrochene Radtasche. Das einzige Kommentar des Mannes, bevor er abhaut: "Ich habe kein Geld." Karina ist zu müde, um wirklich sauer zu sein, trotzdem ist so etwas echt DAS LETZTE!!! GRRR!

Wenig später sind wir am Ziel: Chris und Swetha mit ihren Zwillingen Selena und Isabella nehmen uns für unsere Zeit in Dubai äußerst herzlich bei sich auf - da gerade beginnendes Wochenende ist, bekommen wir sogar eine kleine Willkommensparty am Pool mit benachbarten Freunden .

 

24.09.14 Delhi, Indien
Die Ebene hat uns wieder, wir sind in Neu Delhi. In wenigen Stunden verlassen wir Indien und fliegen nach Dubai! Damit steht auch unsere endgültige Reiseroute fest: Mit der Fähre setzen wir von dort in den Iran über, radeln weiter in die Türkei und mit Griechenland hat uns dann bereits Europa wieder!

Incredible India“, du Land der vielen Farben, du hast uns herausgefordert, unsere Charakterstärke geprüft und warst kurz davor, uns zu brechen. Oft dachten wir, dich nicht zu überstehen. Vielleicht, vielleicht für immer nehmen wir Abschied – ganz sprichwörtlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil wir den unorganisiertesten, lautesten Verkehr der Welt überlebt haben. Weinend, weil wir noch nie einen solch respektlosen, ignoranten Umgang mit unser aller Erde erlebt haben. Auf die hierzulande häufig gestellte rhetorische Frage „India is the best country?!“ wissen wir nur eine Antwort: Nein!

Wir bedanken uns für die kleinen, friedlichen Inseln, geschaffen von den wenigen wunderbaren Indern, die nicht nur an ihr eigenes Wohl denken, für die wir mehr als eine Einnahmequelle waren und die bessere Fragen wussten, als die nach dem Preis unserer Räder. Wir danken dem Himalaya und seinen Bewohnern für ein Juwel, das für immer in unseren Herzen bleiben wird.


21.09.14 Vor Delhi
Nach Thai und Burmesisch hier nun auch noch unsere Namen auf Hindi


SO schwer war es noch NIE, einen Schlafplatz zu finden!!! Wir sind in einer Großstadt und nur eine Tagestour vor der Landeshauptstadt. Trotzdem spricht hier praktisch niemand auch nur ein Wort Englisch und wir erregen Aufsehen wie im Nordosten Indiens. Jedes günstige Hotel, das wir finden, ist wie durch ein Wunder voll und so vergehen Stunden. Später erfahren wir, dass die Eigentümer sich lediglich vor Ausländern fürchten, weil sie uns nicht einschätzen können und ihnen der Reisepass als Identifizierung suspekt ist… Einer der Schaulustigen ist Karthik. Er spricht gutes Englisch und macht einen ganz anderen Eindruck, als die anderen Passanten. Später erfahren wir, dass er aus Südindien ist und nur aufgrund einer Prüfung hier zu Besuch ist. Dank seiner Hilfe finden wir ein Hotel, das günstig ist UND Zimmer hat. Es handelt sich um Zimmer, die zu einem Hindu Tempel gehören. Nur aufnehmen will man uns nicht. Nach großen Überredungskünsten Karthiks und in der Zwischenzeit anderen freundlichen Helfern aus der Nachbarschaft willigt der Tempelhüter endlich ein, uns ein Zimmer zu geben. Allerdings erst wenn wir bei der Polizei vorgesprochen und unsere Personalien hinterlassen haben. Dort werden wir weggeschickt, um zuerst unsere gesamten Passeinträge kopieren zu lassen. Wieder bei der Polizei fällt den äußerst unfreundlichen Beamten etwas Neues ein, was sie zuerst benötigen, um unsere Nachtruhe zu torpedieren. Langsam rastet Jan aus und wird laut und unfreundlich! Wir wollen doch nur einige Stunden schlafen und dann weiter! Warum hört in Indien so selten jemand zu, wenn man freundlich ist?! Nun schreien alle ein wenig. Doch nur zwei Minuten später haben wir unsere Genehmigung und brauchen keine weiteren Kopien...Hier lernt man wirklich ein unfreundlicher Mensch zu werden, denn oft kommt man nur so weiter…!
Zurück im Hotel muss Jan dann noch eine schriftliche Erklärung abgeben, dass er für Karina verantwortlich ist - denn hier in Indien können Frauen nicht für sich alleine verantwortlich sein, sondern sind entweder dem Vater oder später dem Ehemann untergeordnet! Noch einmal werden jegliche Passdaten (die bereits etliche Male kopiert wurden) auf Hindi in ein Buch eingetragen, dann dürfen wir endlich - sogar noch einige Minuten VOR Mitternacht – schlafen gehen.

 

Am nächsten Morgen bringen uns Ayush und sein Vater, die das ganze Drama am Abend mitverfolgt haben, sogar ein Original indisches Frühstück: Puri mit Linseneintopf und Chai. Pandiji, derTempelhüter, der uns nun endlich vertraut, segnet uns für die Weiterreise und lädt uns zum Tee ein. Von ihm erfahren wir über unseren Übersetzer Karthik noch einige spannende Details über den Hinduismus, sowie, dass wir die ersten Touristen waren, die jemals dieses Gebäude betreten haben…
Ende gut, alles gut

 

20.09.14 Bharatgarh
Eigentlich kann man sich in Indien darauf verlassen, dass in jedem auch nur etwas größeren Ort ein günstiges Hotel zu finden ist. Diese Regel trifft heute nicht zu. Als Jan herumfragt, wo wir bleiben können, bekommen wir erstaunlich schnell Hilfe und dürfen heute Dank der Erlaubnis des Tempelhüters Raman in dem Nebenraum des Hindutempels Radhe Krishna Mandir schlafen.

 

17.09.14 Kullu
„Im Dunkeln ist gut Munkeln Steine in die Augen bekommen“. Wir wollen es immer vermeiden, fahren jedoch tatsächlich ständig noch nach Einbruch der Dunkelheit. Heute wird Jan dafür bestraft, als ihm ein von einem Lastwagen aufgewirbelter Stein mitten ins Auge fliegt, das sonst von einer Sonnenbrille geschützt ist. Zum Glück scheint es kein bleibender Schaden zu sein…


16.09.14 Manali
Handeln soll nicht erlaubt sein? Sind wir noch in Indien? Wir mussten in den letzten Monaten lernen, dass in der Realität praktisch ALLES in Indien verhandelbar ist. Selbst Menschenrechte und Gesetze sind so verhandelbar wie das Obst auf dem Markt und der Preis im Hotel.


15.09.14 Manali
Manali rockt! Es gibt echtes Brooot, Käääse, jede Menge Obst, Oliiiven und sogar Fruchtwein aus der Region! Wir sind im Hiiimmel! Wir finden ein schickes Zimmer zu sehr fairem Preis und das Wetter ist einfach nur richtig – nicht zu warm und nicht zu kalt. Gerne opfern wir hier unsere letzten Puffertage vor unserem Flug nach Dubai, um möglichst lange in angenehmer Umgebung zu sein.


Jan befüllt seine fast völlig undichte Bremse noch einmal mit Öl und hofft, so die letzten Tage bis Delhi zu überstehen.


Manali ist eine echte Hundestadt! Ganze Rudel versammeln sich am Abend im Zentrum und wachen über die Nacht. Ganz im Gegensatz zu anderen Orten sind die Hunde hier trotz ihrer großen Anzahl alle wohlgenährt und sehen gesund aus.
Schon lange spielen wir mit dem Gedanken, einen Hund zu fragen, ob er nicht mit uns mitreisen möchte. Hier steht an jeder Ecke ein süßer Welpe. Würden wir bereits in Europa sein, wären wir wohl schon zu dritt…

 

Diese Berge können wir uns nun als Trophäe an unsere Wand hängen! Wir haben euch geschafft!!


09.09.14 Vor Manali
Rohtang La mit 3.979 m ist für uns der letzte Pass im Himalaya. Sein Ruf eilt ihm weit voraus, auch wenn er nicht der Höchste ist und tatsächlich verlangt er noch einmal viel Kraft von uns ab. Fast die gesamte Straße gleicht mehr einer Schlammpiste denn einer Straße und immer wieder fahren wir an verunglückten LKWs vorbei.


Endlich am Gipfel umgeben uns wieder Schnee und eisige Temperaturen. Kaum zu glauben, dass wir schon bald wieder in der Hitze Neu Delhis schwitzen werden…

Dann
liegt die längste Abfahrt für uns in Asien vor uns! 50 km bergab, umgeben von schönster Natur! Pünktlich 5 km nach dem Gipfel gibt auch noch Jans zweite Bremse den Geist auf und er muss eine der wunderbarsten Abfahrten unserer Reise unter der Plane eines Pickups verbringen... :/


08.09.14
Was hat man eigentlich, wenn ein Fahrrad mitten in der Nacht umfällt, die Fronttasche offen ist und dort die Kamera auf einen Steinboden heraus fällt? Richtig! Ein großes Problem :/ …


Schon mal Krieg zum Frühstück probiert?!
Eine Explosion, deren Schallwelle wir am ganzen Leib spüren können, versetzt uns in Aufruhr. Ist Krieg? Greift Pakistan an? China? USA? Wir rennen zur Tür, um herauszufinden, was los ist! Vorsichtig späht Jan durch die Tür – schon erschüttert die nächste Explosion die Erde! Nur hundert Meter entfernt spritzt die Erde durch die Luft. Wir können es nicht fassen! Was passiert hier? Dann sehen wir, dass die Leute auf der Straße völlig entspannt sind. Wir schauen uns weiter um und endlich erkennen wir, dass für eine neue Brücke Sprengungen vorgenommen werden. Puh! Einen echten Krieg hautnah können wir wirklich nicht gebrauchen…


03.09.14
Die praktische Wasserauffüllstation direkt neben der Straße


Das erste Mal seit Wochen kommen wir unter 3.000 m. Überall duftet es nach Kräutern und wir können atmen, als hätten wir noch nie geatmet! Endlich Luft! Alles duftet. Jan hat Tränen in den Augen.


Dürfen wir vorstellen: Die weltbesten verschimmelten Schokoladenkekse


01.09.14
Unzählige Höhenmeter führen uns die „Gata Loops“ hinab bis zum Fuße eines Flusses. Die Aussicht? Einfach nur WOW!


Ohne Straßen wären wir wohl niemals hier her gekommen, doch die achtlos weggeworfenen Teerfässer erinnern an die Zerstörung, die sie weltweit anrichten.


Vielleicht hätten wir nıcht auch den alten Weg nehmen können ?!


Dieses „Spezialangebot“ hat wohl seine besten Tage hinter sich…


Früh am Morgen und ausnahmsweise mal leichter zu erreichen begrüßt uns der Nakee La Pass auf 4.850 m mit einer wunderbaren Aussicht.


31.08.14 nach Pang
Gemütlich grasend finden wir in dieser unwirtlichen Höhe Rehe, die sich von uns nicht stören lassen.


Noch recht früh am Tag und bei bestem Wetter erreichen wir den Lachung La Pass mit 5.100 m. Zwei Pässe pro Tag sind heute jedoch zu viel für Karina. Wir haben Glück und finden schon wieder ein Nomadenzelt, dessen Besitzer sich auf die Versorgung Reisender spezialisiert hat.


30.08.14 Morey Plains
Als wir durch die Morey Plains auf etwa 4.700 m fahren, fühlen wir uns klein und unbedeutend in dieser großen Weite, die die Kälte überhaupt nur wenige Monate im Jahr für Fremdkörper wie uns frei gibt und dann wieder in ihren stillen Schlaf fällt.


Hier begegnen wir dem Französischen Pärchen Elise und Laurent, die auf dem Tandem in Richtung Südostasien fahren. Hier ihr Blog: www.tdmtandem.blog4ever.com


Wer keine Räucherstäbchen oder sonstiges Brennwerk hat, nimmt eben Kuhdung für seine Rituale – lustigerweise riecht es nicht einmal schlecht…


Es ist so schön hier und so gänzlich anders als das Flachland Indiens. Die Abgase der unzähligen LKWs kann man jedoch selbst hier nicht hinter sich lassen…

29.08.14
Unser heutiger Anstieg zum Taglang La mit 5.330 m gleicht einer Himmelstreppe. Der Weg und die Aussicht könnten kaum unwirklicher erscheinen. Jeder Pedaltritt fühlt sich doppelt so schwer an und unsere Atmung geht kurzatmig wie die von Kettenrauchern.

Nach einem Schneegestöber, mehreren schlammigen Kilometern und vielen, vielen Höhenmetern erreichen wir im letzten Tageslicht (Jan) bzw. kurz danach (Karina) den höchsten Punkt.

Mit dem Untergang der Sonne sinkt die Temperatur rapide. Vor uns liegt jedoch noch eine mindestens zwanzig Kilometer lange Abfahrt auf schlechtester Schotterstraße in Dunkelheit. Noch immer hat Jan nur eine Bremse und schon länger (seitdem er in Lateinamerika bestohlen wurde) kein gutes Licht mehr. Immer mehr frierend fahren wir gemeinsam mit dem Lichtkegel Karinas und der Hoffnung, dass die einzige Bremse es übersteht, abwärts.




Es erscheint uns wie ein Wunder, als wir im Dunkeln einige Lichter und dazugehörige Nomadenzelte finden, die hier für Reisende aufgebaut wurden. Hier erhalten wir nicht nur warme Getränke und ein einfaches Abendessen, sondern finden sogar ein gemütliches Matratzenlagerfür die Nachtruhe.




29.08.14 Lato
Nach einem anstrengenden Tag finden wir, durchnässt vom Regen auf 4.000 m tatsächlich eine warme Herberge. Dort lernen wir die indischen Ärzte Kamal und Shyla kennen, die vor langer Zeit nach England ausgewandert sind. Gerade verwirklichen sie ihren Traum, die Strecke zwischen Manali und Leh mit dem Fahrrad zurückzulegen. Sie haben zwar kein Gepäck und ein Supportfahrzeug, doch immerhin ist Shyla vorher noch nie auf dem Rad unterwegs gewesen! Von ihnen bekommen wir für alle Fälle Medikamente gegen die Höhenkrankheit. Karina macht gerne Gebrauch davon, um ihre Kopfschmerzen loszuwerden, Jan ist zu stolz dazu und schläft lieber mit höhenbedingter Nervosität.


28.08.14 Thiksey
Seitdem Karina in Nepal einigen Pujas, den buddhistischen MorgengebeteninKlöstern, beigewohnt hat, möchte sie diese Erfahrung wiederholen. So zelten wir also nur wenig entfernt vom Kloster Thiksey. Karina bricht zu früher Stunde zum Kloster auf, Jan schläft weiter und packt später alles für die Weiterfahrt. Karina kommt nach mehreren Stunden zurück zum Zeltplatz - beschwingt durch die friedliche Meditation, die gute Energie im Kloster sowie gestärkt durch die Tsampa-Gemüsesuppe und den Buttertee, den sie als am längsten ausharrende Besucherin von den Mönchen erhalten hat..


27.08.14 nach Leh
Mal wieder ohne Kommentar...:/


Nach langen Tagen in und um Leh verlassen wir die Stadt, um nach Manali aufzubrechen. Auf unserem Weg liegen die mit weitem Abstand höchsten Pässe unserer Reise. Andere Radreisende warnten uns, dass die auf uns wartende Region deutlich feuchter und kälter sei, als die vorherigen.

 

26.08.14 Leh
Schon seit einer Weile besteht unsere Kost nicht mehr aus Chapatti mit Dal (Brot mit Linsen) wie es im Flachland Indiens üblich ist, sondern Thukpa bzw. Thenthuk (Nudelsuppe mit Kraut und Gemüse) und Momos (tibetische, gedämpfte, gefüllte Knödelchen). An diese Veränderung des Speiseplans können wir uns gut gewöhnen


25.08.14 Hemis Kloster
Das wichtigste Kloster
Ladakhs öffnet heute im Rahmen eines Festivals seine Pforten für Besucher. Wir dürfen einer Maskenzeremonie beiwohnen und werden durch sämtliche Räume des Klosters geführt.


24.08.14 Nubra Valley
Was wäre der Himalaya ohne Yakherden auf über 4
.000 m ?!


In unserer Landkarte sind an einem anderen Teil des Nubratals heiße Quellen verzeichnet. Wir denken an die heißen Quellen von Island, den USA oder Mexiko und fahren NATÜRLICH dort hin. Tatsächlich finden wir die heißen Quellen, doch diese gleichen, völlig unnatürlich hergerichtet, eher einer Gemeinschaftsbadewanne in einem Haus mit Geschlechtertrennung und Eintrittspreis… Wie wir erfahren, war diese Maßnahme notwendig, da der Großteil der Inder überhaupt kein Verständnis von Sauberkeit oder Naturschutz hat…

 

23.08.14 Nubra Valley
Nach einem Ausflug bis wenige Kilometer vor die pakistanische Grenze, statten wir gleich zwei Phänomenen einen Besuch ab: Mitten im Himalaya gibt es eine Sandwüste (wenn auch gerade mal wenige Quadratkilometer groß) und die dazu passenden Kamele, die vor langer Zeit mit einer Karawane aus dem Westen mitgebracht wurden. Die 2,5 € pro Person lassen wir es uns kosten, um zu erleben, wie es sich auf einem Kamel reitet Schlimm touristisch sind wir heute, doch die Tiere werden wirklich in Ehren gehalten und gut versorgt...




Überall wächst Sanddorn – trotz seiner vielen Stacheln ist er nicht vor Kamelen noch Karinas sicher . Jan sind die kleinen Beeren zu sauer.




Später besuchen wir das eindrucksvolle Kloster Diskit, das im Winter monatelang, genau wie das gesamte Tal, vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten ist.

 

Daher kommt also die Bezeichnung „Papp-satt


22.08.14
Unser ablaufendes Visum erlaubt uns leider nicht mehr, das nördlich gelegene Nubra Tal mit dem Fahrrad zu besuchen. Aus einem Scherz wird Realität, als wir uns tatsächlich für drei Tage ein Motorrad ausleihen, um ausnahmsweise mal etwas schneller die Welt zu bereisen. Ganz authentisch entscheiden wir uns für eine Royal Enfield, die älteste, noch produzierende Motorradmarke der Welt. Die Maschine dröhnt wie ein Traktor und sieht nach einem echten Motorrad aus, im Herzen sind es kaum mehr als zwei Hände voll PS, doch wir schaffen jeden Berg – wirklich schnell wollen wir sowieso nicht sein .

 


Wir lernen zu verstehen, wieso manch Reisender mit dem Motorrad um die Welt fährt – doch auf Dauer würde uns die ständige Lautstärke stören, ebenso wie die hohen Kosten und das Gefühl, dass das Motorrad und nicht wir die Berge geschafft haben. Auch der Kontakt zu den Menschen minimiert sich, man ist einfach zu schnell, um angesprochen zu werden…

Wir knattern mit einer leicht zu bekommenden Sondergenehmigung (nötig, aber im Grunde nur Geldmacherei!) auf den angeblich höchsten befahrbaren Pass der Welt, den Kardung La mit 5.359 m. Die dünne Luft macht unserem neuen Gefährt ordentlich zu schaffen, doch mit etwa 15 km/h erreichen wir die Spitze. Schon in wenigen Tagen werden wir mit dem Fahrrad nahezu gleich hoch fahren… uiuiui .
Ein kleiner Beisatz am Schild rückt das Ganze wieder ins rechte Licht: Es handelt sich um den höchsten Pass außerhalb Tibets und die damals festgestellten 18.380 ft bzw. 5.602 m wurden mit heutigen, genaueren Messgeräte heruntergestuft. Wie auch immer - definitiv wird dies für sehr lange Zeit oder für immer unser höchster Punkt auf der Erde bleiben!


Ein Schild warnt vor eventuellen gesundheitlichen Schäden bei längerem Aufenthalt, ein anderes verbietet Opferungen auf dem Gipfel, wieder ein anderes erzählt die Erfolgsgeschichte von Maggie… SO etwas gibt es nur in Indien




21.08.14 Leh
Wir erreichen Leh, das Ziel fast aller Himalayareisenden in Indien. Die Besucher sind eine Mischung aus Backpackern, Motorradreisenden, Abenteurern, Naturliebhabern und Menschen auf der Suche nach Spiritualität. Irgendwie gefällt uns die Energie des Ortes . Es gibt kulturelle Angebote und man braucht eigentlich nur vor die Tür zu gehen, um mit irgendwem ins Gespräch zu kommen…

 

Schon vor Leh treffen wir das deutsche Pärchen Christoph und Denise, das gerade für einige Wochen Urlaub mit dem Fahrrad macht (eine gute Idee finden wir ..). Einer glücklichen Fügung zufolge haben sie exakt den Kleber dabei, den wir für unsere Zeltreparatur brauchen! So kann sich Karina unseres Problems annehmen und wird kurzzeitig zum Zeltgeist



19.08.14 Vor Leh
Seit Neuseeland sehen wir das erste Mal wieder Apfelbäume! Die Ladakhi Äpfel sind kleiner als die europäischen, doch für Karina die Leckersten, die sie sich vorstellen kann. Was für ein Glück, dass die Besitzer unseres heutigen Gasthauses uns höchstpersönlich zum „Garten ausräubern“ eingeladen haben


18.08.14
Wir sind am Fotu
La Pass! Mit 13.479 ft bzw. 4.108 m der höchste Punkt zwischen Srinagar und Leh. Die Steigungen sind zwar extrem lang, glücklicherweise wurden die Straßen jedoch mit sehr geringen Steigungen gebaut. Meist sind es nur 4 bis 5 %.


Vorbei am imposanten, auf Felsensäulen thronenden Lamayuru Kloster fahren wir durch einen engen, atemberaubenden Canyon und erreichen schließlich das weite Indus Tal, in dem Leh liegt.


18.08.14
Zwergziegen!! Gibt es etwas Lustigeres an einem Morgen mitten im Himalaya ?!


17.08.14
Endlich fühlen wir uns wieder wohl genug, um wild zu zelten, doch gerade jetzt ist unser Zelt kaputt. Hotels gibt es hier in der Wildnis nicht, doch glücklicherweise dürfen wir gegen eine geringe Gebühr in einem traditionellen Privathaus schlafen.


Das Glück jedes Gipfelsist die Abfahrt!


Wir überwinden einen weiteren Pass, diesmal den Namikala mit 3717 m. Die gleiche Höhe erreichten wir bereits in Ecuador, doch schon die nächsten Pässe werden uns weitaus höher führen. Auf dem Weg lernen wir den ausgeglichenen Südinder Vinay kennen, der sich zum Trotz seiner Familie und Freunde einen persönlichen Wunsch erfüllt und mit dem Fahrrad, auf selber Route wie wir von Srinagar nach Leh fährt.

Seid Ladakh besitzen die Gasthäuser praktisch immer einfache, doch schmackhafte Verpflegung. Wir genießen den traditionell  tibetischen Stil der Esszimmer, wo Karina häufig sogar ihren sehnlichst erwarteten Yak-Buttertee bekommt, den sie bereits aus den Bergen Nepals kennt.

16.08.14
Wir genießen das zumeist ausgeglichene Wesen der Buddhisten, das sich so sehr von dem der Moslems oder Hindus in Indien unterscheidet.

Mit jedem Kilometer und der zunehmenden Höhe wird unsere Umgebung stetig karger und gleichzeitig reizender.

Als wir gerade die Aussicht vom Dach unserer heutigen Bleibe genießen, sehen wir, wie sich auf der Straße ein anderer Radreisender nähert. Es ist Matti, ein sympathischer und irgendwie uriger Finne, mit dem wir dank gleicher Reiseroute in den nächsten Tagen immer wieder gerne Höhenmeter und unsere Zeit teilen. Auch er berichtet über seine Radreisen und ist in seiner Heimat bereits eine kleine Berühmtheit.

15.08.14 Kargil
Wir finden ein schnuckeliges Hotel zu fairem Preis und wohnen wieder mit den drei Indern aus Mumbai zusammen. Das Beste ist jedoch das Aprikosenwunder im Garten und die Erlaubnis, uns dick und rund daran zu essen. Hier sehen wir auch unseren ersten Maulbeerbaum

14.08.14 Drass
Unsere kleine Bilderreihe, die wir für Asien gedruckt haben, findet wie immer großen Anklang . Ein Glück, denn es ist manchmal ECHT nervig, dass es nicht eine Universalsprache auf der Welt gibt, die uns alle verbindet. Nun ja, eine gibt es ja: Lachen .

Wir befinden uns im zweit-kältesten besiedelten Ort der Welt nach Oymyakon in Sibirien! Ein Glück, dass gerade Sommer ist und wir tagsüber 20 Grad haben . Im Winter wird es hier bis zu – 52°C.

Na der Name ist doch mal vielversprechend  ;)! Neugierig schauen wir tatsächlich mal vorbei. Jans Palast ist wirklich schick – leider der Preis überhaupt nicht, denn der liegt etwa viermal über unserem Budget...

13.08.14 Sonamarg
Wir sind endlich in Ladakh! Schlagartig fühlen wir uns wie in einer anderen Welt! Schöön ist es hier, schön rau und menschenleer !

Der erste und vielleicht einer der schwierigsten Pässe auf dem langen und beschwerlichen Weg nach Manali ist der Soji La Pass. Die Straße wird  zu einer Staubpiste und kurzzeitig zeigt unser Fahrradcomputer Steigungen bis 16 %. Die ständig vorbeifahrenden, Staub aufwühlenden, stinkende und lauten Lkws machen es uns nicht gerade leichter…

Kurz vor dem Gipfel treffen wir auf die drei Inder Sunil, Punam und Divia aus Mumbai, die das erste Mal eine Fahrradtour gemeinsam machen. Sie fahren von Srinagar nach Leh und verbringen heute die Nacht im selben Hotel.

Wow! Wir sind wohl schon ein paar Meter höher gekommen! Hier gibt es einen Gletscher direkt neben der Straße.

Wenn man die Kamera mal aus der Hand gibt ...

Es hört sich erst mal romantisch an: Es gibt noch echte Nomaden im Himalaya, die in Zelten wohnen, auf Pferden reiten und ihre Herden beschützen. Leider hat sich herausgestellt, dass nahezu alle Familien ihre Kinder zum Betteln an die Straße schicken. Jedes "freundliche" hallo uns gegenüber war nur die Einleitung zu "Money please"...

12.08.14
Immer wieder treffen wir auf beeindruckende Kaschmirziegen. Sie haben nicht nur deutlich längere Beine und Ohren als gewöhnliche Ziegen, sondern auch das lange Fell, aus dem die weltberühmte Kaschmirwolle gewonnen wird. Nachdem der Winter vorüber ist, wird ihnen das Winterfell ausgekämmt. Man erhält so gerade mal 10-150 g pro Tier!

Beim Abschied von den lieben Franzosen schlüpfen zwei der Hunde durch das Tor und laufen auf die Straße. Aus Angst, dass den Tieren etwas passiert, möchte Jan helfen und läuft den Hunden nach. Beide lassen sich gut einfangen, doch einer hat als früherer Straßenhund schlechte Erfahrungen gesammelt und bekommt Panik, als er am Halsband gefasst wird. Um sich beißend versucht er los zu kommen, Jan möchte die Hunde sicher zurück bringen, hält also trotzdem das Halsband weiter fest und erhält als Krönung zu einem kaputten und vollgepinkelten Zelt noch diverse Hundebisse.

 

11.08.14
Auf der Straße werden wir auf Englisch mit französischem
Akzent gegrüßt. Schon nach einem kurzen Gespräch sind wir bei Odine & Rashid, Farah, Thierry & Laurence und Joffrey zum Abendessen und campen im Garten eingeladen. Wir fühlen uns direkt wie in Frankreich! Passend dazu gibt es Champagner(!), KÄSE und handgemachte Pommes Frites .

 

Während es uns gut geht, ergeht es unserem Zelt schlecht: Die Hauskatze flüchtet vor den Hunden des Hauses... auf unser Zelt!! Riesige Risse machen von nun an Zelten erst mal unmöglich! Die Hunde markieren noch fleißig das Zelt, doch das ist bereits das kleinere Übel...


04.-10.08.14 Srinagar
Wir machen eine kleine Sightseeingtour durch Srinagar, das besonders durch den Dal See (Linsensee) bekannt geworden ist. Traditionell schlafen Touristen hier in Hausbooten, zu denen sie von kleinen Gondeln gefahren werden (praktisch - so kann NOCH mehr Geld mit Touristen verdient werden...)

Gemeinsam mit Zulkernain besuchen wir die älteste Moschee ganz Kaschmirs: Khanqah von Shah-I-Hamadan von 1395. Besonders schön machen sie die Schnitzereien und das Pappmaschee an den Wänden. Als "Ungläubige" mussten wir uns allerdings mit Fotos von außen begnügen...

04.08.14 Srinagar
Wir bleiben insgesamt eine ganze Woche bei Zulkernain (s.u.). Es ist wunderbar, mal wieder für ein paar Tage ein zu Hause zu haben. Wie sind mit Zulkernain auf einer Wellenlänge und hoffen, ihn irgendwo einmal wieder zu sehen. Dank dir !

04.08.14 Kaschmirtal
Neben den allseits bekannten Kaschmirziegen ist die Region zumindest in Indien ebenfalls sehr bekannt für seine Kricketschläger, Safran, Dörrobst und Nüsse.

Der Blick ins Kaschmirtal mit all seinen grünen Feldern, Obst- und Nussbäumen ist ein besonderer Anblick nach den trockenen Ebenen Indiens.

Während wir so den Ausblick genießen, interessiert sich der Inder Zulkernain für uns und lädt uns kurzerhand direkt zu seinen Verwandten zum Mittagessen und für morgen zu sich nach Srinagar ein. Solche selbstlosen und offenen Einladungen hatten wir seit Neuseeland nicht mehr erlebt!

03.08.14 Jammu
Die Staaten Jammu und Kaschmir (offiziell ein Staat, wenn auch völlig verschieden...) sind durch eine ziemlich hohe Bergkette voneinander getrennt. Inzwischen sorgt ein Tunnel für eine schnelle Verbindung. Als wir kamen, wurde sogar der Verkehr extra für uns gestoppt, so dass wir sicher und ohne Stress durch den etwa zwei Kilometer langen Tunnel fahren konnten. Durch ein Gefälle waren wir aber ohnehin fast so schnell wie Autos .

28.07.14 Jammu
Wir haben die vielen Magenverstimmungen in Indien so satt! Von nun an Desinfizieren wir alles außen (Desinfektionscreme) UND innen (Whiskey) - selbst die immer abstinente Karina !

Ein etwas "unvorteilhaftes" Schild...

Frittierter Käse - na also

Krass! Ob das der Versuch war, eine Abkürzung zu nehmen oder zu parken - wir werden es nie heraus finden...

Die Straße ist dicht von Affen besiedelt, die im "Einklang mit der Natur" leben ...

27.07.14 Jammu
Wie schon im Nordosten gibt es nun auch hier wieder nette "Straßeninspirationen".

Von Jammu brechen wir nach weiterer Fahrradwartung und Schreibarbeiten endlich wieder in Richtung Natur und Abenteuer auf. Vor uns liegen einige der höchsten Pässe der Welt und damit ganz klar der höchste Punkt unserer Reise.

24.07.14 Jammu
Interesse an ein wenig Gras aus der Nachbarschaft ?! Hanf wächst im Norden Indiens als Unkraut praktisch neben jeder Straße - der Konsum ist trotzdem verboten.

An jeder Ecke gibt es Waffenläden und die Grenze zu Pakistan ist gerade mal 15 km weit weg. Hindutempel werden vom Militär bewacht und das Ende des muslimischen Ramadans, zu dem regelmäßig Ausschreitungen erwartet werden, steht in wenigen Tagen bevor. Wir, mitten in all dem, fühlen uns bisher nicht sicherer oder unsicherer als bisher in Indien und vertrauen einfach mal darauf, dass tatsächlich gerade die Lage, wie im Internet zu lesen ist, seit längerem ruhig ist.

23.07.14 Neu Delhi
Wir besteigen ein zweites und letztes Mal auf der Reise den Zug, um möglichst schnell weg von Delhi und näher an die Berge des Himalayas zu gelangen.


Im Zug sitzt zufällig der Engländer Phil neben uns. Der Lehrer macht in erster Linie Urlaub, hat jedoch auch zu Hause von seinen Schülern alte Fußballtrikots eingesammelt und die Idee, sie hier in Indien an Kinder weiter zu schenken und sogar Brieffreundschaften zu initiieren. Prima Idee !

Er ist außerdem Hobbyfotograf und hat uns mit diesen speziellen Portraits beglückt.

 

Trotz der vielen Möglichkeiten einer riesigen Stadt können wir unsere Todo's leider nur schleppend erledigen. Immerhin haben wir zwei neue Reifen (von vier benötigten... ;/ ) beim Fahrradladen „The bike shop“ finden können und an gleicher Stelle alle nötigen Werkzeuge ausleihen dürfen, um unsere Rohloff Ritzel zu wenden, neue Ketten und Kettenblätter aufzuziehen. Jan hat darüber hinaus nach langer Suche einen neuen Sattel gefunden und sagt seinem alten Brooks lebewohl. Da seine Sattelstütze jedoch festgerostet ist und nicht ein Tipp aus dem Internet hilft, sitzt der jedoch ein wenig zu hoch…
Einen riesigen Schritt vorwärtssind wir im Hinblick auf unsere weitere Reise gekommen: nach wirklich langen und schwierigen Diskussionen haben wir uns endlich für die endgültige Reiserouteunserer restlichen Reise entschieden! Nach unserer Tour durch den Himalaya von Jammu über Kaschmir, Ladakh und Himachal Pradesh werden wir zurück nach Delhi fahren. Von dort fliegen wir nach Dubai, nehmen die Fähre in den Iran und radeln anschließend über die Türkei nach Europa und erreichen schließlich unseren Start- und Zielpunkt Taunusstein, Deutschland !

Wir lassen somit Nepal aus: Aufgrund der falschen Jahreszeit hätten wir ohnehin keine Berge sehen können und stattdessen Regenwetter, Hitze und Landegel gehabt. Durch die Terai-Region (das Flachland) zu fahren, wäre die einzige Möglichkeit gewesen, nach Katmandu zu gelangen. Dort unterscheiden sich jedoch Landschaft, Kultur und Leute kaum vom Flachland Indiens (was uns nicht wirklich fehlen wird.. ähäm...) Hinzu kommt, dass wir keine Wanderausrüstung haben. Kurz: wir kommen zurück nach Nepal, "versauen" uns den Aufenthalt aber nicht mit dem Flachland, sondern gehen direkt in den Bergen wandern, wo auch die lieben Buddhisten leben .

Delhi
Wir erreichen vor unseren Rädern in der Hauptstadt und postieren uns exakt dort, wo der Cargozug ankommt (natürlich Indien-typisch mit mehrstündiger Verspätung). So können wir also unsere Räder gerade noch vor den indischen Horrorträgern retten, die schon aus Unachtsamkeit drauf und dran waren, beim Heben von Karinas Rad Lampe und Kabel abzureißen. Es folgt völlig ineffiziente Bürokratie, doch schließlich verlassen wir mit erfolgreich geretteten Rädern den Ort des Grauens .


Jan, der seit neustem an akuter Indienphobie leidet, fürchtet das Schlimmste, als wir wieder auf den Rädern sitzen. Irgendwie ist der erste Eindruck jedoch weniger schlimm, als gedacht. Die Menschen wirken irgendwie zivilisierter und achten mehr auf uns. Dann sehen wir eine Vielzahl alter Prachtbauten, Grünanlagen und selbst der Verkehr lässt nach. Wird Delhi noch unsere Lieblingsstadt in Indien?!

Wir
kommen bei unserem Gastgeber Chandan an, der uns für die nächsten zwei Tage bei sich  aufnimmt. Auf unsere ersten Erlebnisse antwortet er nur: „geht erst mal nach Alt-Delhi, bevor ihr ein Urteil abgebt.“

Auf Suche nach dringend benötigten Ersatzteilen merken wir sehr schnell, was er meinte. Jede noch so kleine Erledigung braucht vielleicht fünfmal länger, als wir es gewohnt sind und dann ist nicht einmal klar, ob er erfolgreich ist. Indien ist einfach SOWAS von unorganisiert! Als Jan mit dem Raf aufbricht, um neue Reifen zu suchen, gerät er in einen Stau, aus dem er selbst als Fußgänger nicht herausgekommen wäre! Ständig begleiten ihn natürlich der unvorstellbare, omnipräsente Lärm und Gestank Indiens…

 

Als wir durch den „Jan Path“ fahren, meinen wir in einer anderen Stadt zu sein. Überall grünt es und es gibt kaum Verkehr. Wir sind in der Region der Botschaften. Plötzlich nimmt Jan über uns das Highlight des Tages wahr: unzählige Flughunde kreisen über uns im Himmel! Mitten in Delhi! Und was sind die groß :)!

15.07.14 Zug nach Delhi
Große Planänderung!!! Hitze, Luftfeuchtigkeit, blöde Vergewaltiger in Uttar Pradesh, falsche Jahreszeit für Nepal (nix zu sehen, zu heiß im Flachland, Litschies, Landslides), unattraktive Landschaft und die Tatsache, dass gerade der Nordwesten wiederum die beste Reisezeit hat und Jans kaputter Sattel bringen uns zu der Entscheidung, den Zug nach Delhi zu nehmen.

Zug fahren in Indien kann recht angenehm sein! Für wenig Geld bekommt man viel Komfort, wie eine Klimaanlage, gute Mahlzeiten, Getränke und ein Bett - man muss lediglich mit seinem Gewissen vereinbaren, dass JEGLICHER Müll, der während der Fahrt produziert wird (und das ist seehr viel), einfach bei voller Fahrt aus dem Zug geworfen wird... Wenn man ein Fahrrad mitnehmen möchte, bekommt eine Zugfahrt einen ganz besonderen Reiz: Jegliches Gepäck - und ist es noch so wertvoll oder zerbrechlich - wird in die Hände der rücksichtslosesten Deppen mit Tragehakenübergeben, die man sich nur vorstellen kann! Wir sahen Pakete zerfallen, zwischen Zug und Gleise geraten oder gänzlich verschwinden! Wir hörten von zerrissenen Fahrrad-Bremskabeln oder "probe gefahrenen" Fahrrädern. Wer sein Fahrrad behalten möchte, muss JEGLICHEN Handgriff von ANFANG bis ENDE selbst machen! Wir bringen also unsere Räder eigenhändig in den Cargozug, sprechen alle Gebete, die uns einfallen und steigen anschließend in unseren Zug nach Delhi. Vorher hielten uns noch die offiziellen Träger, die keinen Finger krumm machen mussten (für die wir jedoch im Vorfeld bereits zahlen mussten),  die offene Hand für ein Trinkgeld hin...  

 

Während wir durch Uttar Pradesh fahren, lesen wir die Zeitung. Neben einem erschreckenden Bericht über Kindesmissbrauch im ganzen Land lesen wir, dass hier gerade mal 22,9 % der Bevölkerung eine Toilette besitzen bzw. benutzen. Tatsächlich sehen wir haufenweise Menschen während der frühen Morgenstunden in den Reisfeldern hocken – Passt also auf, von wo ihr euren Reis bekommt

Das Milchpulverpäckchen im Zug: Gesundes Indien?! Richtig: Träum weiter.

Wir besuchen ebenfalls den Happy Valley Teagarden, wo Touristen eingeladen werden, kostenlos die Teefabrik zu besucht und anschließend an einer Teeprobe teilzunehmen. Wir sind erstaunt, unter den Gütesiegeln des organischen Tees sogar zwei bekannte deutsche Gütesiegel zu finden und erfahren, dass der meiste Darjeeling Tee nicht in Indien bleibt, sondern hauptsächlich nach Japan und Deutschland exportiert wird.

Es ist ein besonderes Gefühl, zwischen den Teebüschen zu wandern, aber doch schade, dass wir die gigantischen Berge Sikkims, das nur einen Steinwurf entfernt ist, aufgrund der falschen Jahreszeit kaum sehen können. Unterwegs bekommen wir - ebenfalls wegen der falschen Jahreszeit - Besuch von alten Bekannten: Landegel!


11.07.14 Darjeling

Wir brechen nach Darjeeling auf, um bei prima Klima entspannt einen Darjeeling Tee in Darjeeling zu trinken.

Zuerst klettern wir per Sammeltaxi-Geländewagen die schmale Straße nach Kurseong auf über 1.000 m Meter Höhe. Dort steigen wir in den niedlichen, kaum 1,50 m breiten Toytrain um und freuen uns auf eine entspannte Zugfahrt mit einmaliger Aussicht.

Innerhalb Minuten nach der Abfahrt stellt sich der Toy-Train als wahrer Torture-Train heraus! Bis auf etwa 30 Sekunden während der dreistündigen Fahrt lässt der durch und durch indische Zugführer die Hupe bzw. das Horn kreischen! Wo der Zug vorbeifährt, halten sich die Leute die Ohren zu!

Völlig total, TOTAL und V Ö L L I G entnervt kommen wir in Darjeeling auf 2110 m an. Wir sehen es als unsere Pflicht an, den Zugführer und seinen Vorgesetzten über den Genusswert der Zugfahrt aufzuklären. Uns wird gesagt, dass der unerträgliche Lärm eine Sicherheitsvorkehrung wegen des Nebels war - immerhin konnte man höchstens 100-200 Meter weit sehen und der Zug ist durchweg mit der horrenden Geschwindigkeit von etwa 8 km/h gefahren... Oh Mann...



Schon auf dem Weg erkennen wir mehr als deutlich, welche beiden Fußballteams es in das Finale der WM geschafft haben. Seit Jahren haben wir nicht mehr so viele Deutschlandflaggen gesehen - und das in den Bergen Indiens . Dann mal viel Erfolg!

 

09.07.14 Siliguri

Wir benutzen mal wieder Couchsurfing und haben das Glück, Pulkit kennen zu lernen. Dank seiner Mutter ist das Treffen nicht nur kurzweilig, sondern auch noch eine Gaumenfreude . Wir sind dankbar, dass wir bei Pulkit unsere Ausrüstung lassen dürfen, da wir gerne einen Umweg nach Darjeeling machen wollen. Um mit einer Schmalspurbahn, dem Toytrain und UNESCO Weltkulturerbe fahren zu können, lassen wir ebenfalls ausnahmsweise unsere Räder zurück.

 

08.07.14
So macht lernen Spaß! Wir sehen immer größere Felder einer uns unbekannten Pflanze und lernen, dass es sich um nichts anderes als Jute handelt und sogar der Großteil der Weltproduktion aus Indien stammt! Gerade ist Erntezeit, so bekommen wir sogar noch die Verarbeitung mit.


Aus exakt diesem Material kaufen wir uns ein Seil für unsere Interpretation eines Tandems : von nun an gibt Jan Karina in den Ebenen den Schub, den sie für eine prima Durchschnittsgeschwindigkeit braucht .

03.07.14

Wer kennt die weit verbreitete Sonnencrememarke? Hier seht ihr das echte "Bananaboat" .

02.07.14
An die Wand Spucken ist im Hotel nicht erlaubt? Hier ist dieses Schild mehr als nötig - leider hilft es jedoch in keinster Weise...

 

 
   
 
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