nie-mehr-radlos
  4. Quartal 2012
 
   

31.12.12 San Antonio de Prado/Medellín
Silvester soll auch in unserer Fahrradfamilie etwas Besonderes sein. Gemeinsam mit Hardy und Alena beschließen wir, deutsche Traditionen aufleben zu lassen und bereiten Fondue vor. Den ganzen Tag wird also eingekauft, geschnibbelt und gerührt. Am Abend brutzeln wir unser Fleisch dann auf einem Benzin-Campingkocher und bedienen uns an so vielen Beilagen, dass sie nicht mal alle auf den Tisch passen .

Für 24 Uhr möchten wir auf einen Berg steigen, um über das ganze Tal sehen zu können. Dank dem opulenten Essen ist es jedoch fast unmöglich, alle dazu zu bewegen... Als wir sie schließlich so weit haben, ist es so spät, dass wir nicht mehr rechtzeitig wären. Die Lösung unserer Gasteltern: Alle 9 Anwesenden springen in den kleinen Geländewagen von Manuel und Marta und lassen sich über eine Straße, die schon schwer zu laufen wäre, das meiste Stück des Berges hochfahren - in Kolumbien umgeht man die Probleme eben anders . So schaffen wir es tatsächlich, zur richtigen Zeit eine absolut phänomenale Aussicht zu haben!! Sogar Champagnar haben wir traditionsbewusst gekauft, was jedoch nicht für Kolumbien zu empfehlen ist. Der Flascheninhalt schmeckt nach künstlichem, zu süßem Apfelsaft mit Kohlensäure - erfüllt jedoch seinen Zweck

Auf dem Rückweg nehmen wir dann noch zwei Dorfbewohner mit - immerhin sitzen wir in einem Fünfsitzer...

30.12.12 San Antonio de Prado/Medellín
Eine weitere Deutsche trifft ein: Susi. Sie hat vor, mit Matt etwa einen Monat auf dem Fahrrad durch Kolumbien zu fahren.

Wir nutzen den Aufenthalt und Luxus eines „festen“ Wohnsitzes, um unsere Fahrräder zu warten. Wir putzen jedes Teil, wechseln das erste Mal unsere Rohloffwenderitzel nach fast 22.000 km, machen den zweiten Ölwechsel, und wechseln unsere Ketten. Ein neues Kettenblatt hätten wir unseren Rädern ebenfalls gerne gegönnt, bekommen hier jedoch keine, die an unsere Räder passen. Warum also die alten nicht ebenfalls wenden und mit einer Feile für Fingernägel glatt feilen?! Klappte übrigens prima und ist definitiv empfehlenswert.

Für Adrian, der bereits seit Längerem vom Fahrrad auf ein Motorrad als Reisemittel umgestiegen ist, ist es Zeit weiter zu reisen. Wir verabschieden uns und wünschen ihm alles Gute auf seinem Weg. Für ihn geht es zum Hafen von Cartagena, von wo er entweder ein Boot nach Panama nimmt und weiterreist oder sein Motorrad verkauft und nach Hause fliegt - je nachdem ...

28.12.12 San Antonio de Prado/Medellín
Wir feiern Matts Geburtstag, der neben anderen Geschenken eine Piñata geschenkt bekommt - eigentlich für Kinder, jedoch ein Riesenspass . Dem Brauch nach ist die Papppuppe mit Spielsachen und Süßigkeiten gefüllt. Das Geburtstagskind bekommt dann die Augen verbunden und muss mit einem Stab die Puppe zerschlagen. Die heruntergefallenen Sachen werden von den umstehende Kindern in einer wilden 'Schlacht' erobert...

27.12.12 San Antonio de Prado/Medellín
Nach einem langen Tag voller Höhenmeter (dabei ist Karina gerade mal wieder den ersten Tag fit) erreichen wir die zweitgrößte Stadt Kolumbiens, Medellín. Unser Ziel ist jedoch das Casa de Ciclista (Haus des Fahrradfahrers), wofür wir aus dem Tal, in dem Medellín liegt, gerade wieder auf der anderen Seite hoch müssen. Ist das die „Aufnahmeprüfung“, damit wir die Gastfreundschaft empfangen können ?? Auch wenn wir auf der gesamten Reise nicht so viele Höhenmeter an einem Tag gefahren sind, kommen wir letzendlich jedoch an.

Manuel, Marta und ihre Tochter Manuela nehmen uns, genauso wie unzählige Fahrradreisende vor uns, mit Herzlichkeit auf. Das Deutsche Pärchen Hardy und Alena (siehe Linkliste), der Amerikaner Matt (siehe Linkliste) und der Pole Adrian sind bereits anwesend - es gibt einfach vieeel mehr Radreisende, als man annimmt

Casa de ciclistas de medellin

26.12.12 Santa Fe de Antioquía
Wir hörten bereits, dass es in Kolumbien Früchte gibt, die schwer andernorts auf der Welt zu finden sind. Heute essen wir Curuba, eine Maracujaart in Bananenform.

Neben der Straße sehen wir immer wieder Puppen, die Muñecas de Año Viejo oder Pericles genannt werden. Hier herrscht der Brauch, diese Puppen an Silvester mit einem Ereignis des auslaufenden Jahres zu verbinden und dann symbolisch zu verbrennen, um zu zeigen, dass es der Vergangenheit angehört.

Mal wieder etwas Neues für uns:  wir kaufen uns kleine, rote Palmenfrüchte (Corozos). Mit einem Stein aufgebrochen (echt viel Arbeit…), kommen kleine Nüsse zum Vorschein, die wie trockenes Kokosfleisch schmecken. Eine gute Zwischenmahlzeit beim Radeln!

25.12.12 Santa Fe de Antioquía
Abstoßend,  wie hier die Festtage verschönert werden sollen!
Beim Stierlauf (wohl den Spaniern abgeschaut) sind mutige „Helden“ mit einer Kuh in einem Gehege eingesperrt (für den Stier hat der Mut wohl nicht gereicht...). Die Kuh will eigentlich niemandem Böses, also hilft man nach. Der Kuh werden Sprengkörper zu Füßen geworfen, man bespritzt sie mit Farbe oder schmeißt ihr einen Radeifen über... Mehrere Krankenwagen stehen bereit, um Unvorsichtige abzutransportieren - hoffentlich werden diese fleißig gefüllt!

24.12.12 Santa Fe de Antioquía
Für Weinachten sind wir - eher zufällig - in der schönen Kolonialstadt Santa Fe de Antioquía. Wir schlendern durch die Stadt und trauen unseren Augen kaum, als wir auf den Hauptplatz laufen: ein echter Weihnachtsmarkt ist hier aufgebaut! Genießen können wir ihn leider weniger, denn Karina hat sich den Magen verdorben und kaum genug Kraft, ihre Familie zum Fest in der Heimat anzurufen. Wir müssen also sowieso länger in der Stadt bleiben und holen „unser“ Weihnachten einfach morgen nach.

 

21.12.12 Vor Santa Fe de Antioquía
Es ist über 30 °C warm, doch Weihnachten steht vor der Tür. Wir versuchen in Weihnachtsstimmung zu kommen und finden bei unserer Suche doch so einige Helfer



19.12.12 Vor Dabeiba
Karinas erstes Paar Schuhe, mit dem sie aus Deutschland losgefahren ist, hat endlich ausgedient. Bisher behielt sie die alten und total kaputten Schuhe noch als 'Regenschuhe', nun machen wir das, was wir immer schon mal tun wollten und häufig auf der Reise gesehen haben: "Schuhfiti", die symbolische Trennung von alten Schuhen - wir werfen sie auf eine Stromleitung. Doch das fällt Karina nicht gerade leicht... Jan unterstützt dann ein wenig .




18.12.12 Mutatá
Wir genießen in einem Restaurant ein leckeres Mitagessen für gerade mal 2-3 Euro, das hier eigentlich immer ähnlich aussieht: Kräftige Suppe vorher, dann Reis, Bohnen, Fleisch, etwas Krautsatat, gebackene Banane, Arepa (Maisbrötchen) und einen Fruchtsaft aus frischen Früchten mit Wasser.

Anschließend fangen Jans Beine an zu jucken. Wahrend dem Essen (ausnahmsweise in Flip Flops) hat er etwa 150 -200 Gnitzenbisse abbekommen. Der Begriff „jucken“ bekommt da eine ganz neue Wertigkeit ;/...

Schon gleich nach dem Frühstück werden wir Zeugen eines Dramas!!! Permanentes, verzweifeltes Muhen erregt unsere Aufmerksamheit.  Zwei Weiden nahe unseres Schlafplatzes der letzten Nacht sind nur über eine kleine Passage verbunden. Irgendwie haben sich Mutter und Kind verloren und finden nun nicht mehr zusammen. Jan fasst sich ein Herz und treibt die besorgte Kuh in Richtung des ausgehungerten Babys. Bei der Wiedersehensfreude könnte man fast sentimental werden .  
17.12.12 Carepa
Heute beginnt unsere eigentliche Reise durch Kolumbien - wir verlassen Turbo und fahren weiter in Richtung der Anden.  Auf der Straße erbittet sich ein Pärchen, ein Foto von uns zu machen und lädt uns glatt zum Mittagessen ein. Rafael, Bertha und ihre Kinder Tatiana und Julian Andres sind überaus lieb und interessiert. Aha... das ist also das böse Kolumbien .
Später kommt ein Obstverkäufer auf uns zu und drückt Karina einige Früchte in die Hand. Er möchte  Ausländern zeigen, dass sein Land mehr zu bieten hat, als Drogen und Gewalt.
Es bestätigt sich schon am "ersten Tag", was wir von anderen Reisenden hörten:
Die Kolumbianer sind super freundliche Menschen!
 
 13.12.12 Turbo
Das erste Mal Geld in Kolumbien abheben stellt sich als interessant heraus: Der EC Automat ist in einem kleinen, ABSCHLIEßBAREN, Räumchen untergebracht.
 

13.12.12 Turbo
Das sind doch mal lockende Angebote Kauf dir ein Handy und bekomme zwei Flaschen  harten Alkohol dazu... Dann klappt es auch mit dem Weihnachtsgeschenk des Vaters an seine Kinder - oder andersherum...

Gleich noch was mit Alkohol: Es gibt hier Schnaps im Tetrapack! Echt öko ...

 
Es war eine etwas schwierige Entscheidung, aber wir haben uns entschlossen, unsere Schnorchelausrüstung zu verschenken, um Gewicht zu sparen und weil wir die Karibik verlassen (dabei ist sie sooo gut ...) . Der glückliche Empfänger ist der aufgeweckte und hilfsbereite Francisco, der im Boot nach Turbo neben uns saß. Er wohnt direkt am Meer und schwimmt richtig gern .  
Wider Erwarten hat unsere Ausrüstung die gesamte Überfahrt von Panama nach Kolumbien gut überstanden. Aus unerfindlichen Gründen hat unser Computer jedoch zwei Tage nach der Bootsfahrt den Geist aufgegeben. Zu vermuten ist, dass es nicht gut für einen Computer ist, wenn er 1,5 Jahre täglich durchgeschüttelt wird... Die Daten sind glücklicherweise gesichert, Updates auf der Homepage müssen aber vorerst warten.
Die Stadt ist wuselig, wie keine andere bisher! Überall wimmelt es von Fahrrädern und Motorräder fahren durcheinander - könnte Indien sein
 

13.12.12 Capurganá
Mit einem weiteren Schnellboot, dass in 2,5 Stunden von Capurganá nach Turbo fährt, überwinden wir die letzte Hürde zur Anbindung an das Straßennetz Kolumbiens. Unsere Räder reisen das erste Mal getrennt von uns mit einem Cargoboot. Diese Variante ist deutlich billiger und sehr viel material- bzw. nervenschonender .

 

11. & 12.12.12 Capurganá
Capurganá ist ein nettes Urlaubsörtchen (allerdings auch mit entsprechenden Preisen), das man nur zu Wasser oder aus der Luft erreichen kann. Hier gönnen wir uns nach dem Segeln einen Tag Erholungspause. WOW, ein Bett, das nicht schaukelt - was für einen Luxus das Festland doch bietet !

Bei einer Dschungelwanderung entlang eines Flusses mit kleinen „Pools“, in denen wir baden, bekommen wir einen ersten Eindruck der Region und sind begeistert!

 

Karinas Fazit: Die Segelerfahrung war einzigartig und wird auch (zumindest für sie) die einzige Segelerfahrung auf dieser Reise bleiben. Unsere Crew war nett, wir hatten viele unvergessliche Momente mit Meeres-, Inselbewohnern und Sternen, doch die See ist nichts für sie... Auch wenn sie nicht extrem seekrank war, war sie es doch genug, um für sich zu entscheiden, dass sie das Land auf Füßen oder Radreifen ,sowie das Wasser mit direktem Hautkontakt definitiv bevorzugt .
Das permanente Schaukeln bei Tag und bei Nacht, gepaart mit 32-38 °C im Bootsinneren hat uns beide etwas apatisch werden lassen und wir sind froh, wieder auf dem Fahrrad zu sitzen und produktiver sein zu können. Segeln bei niedrigeren Temperaturen möchte zumindest Jan auf jeden Fall noch mal versuchen.

 

11.12.12 Puerto Obaldía
Wir verabschieden uns von Rafa und Filipa, holen uns ein wenig „landkrank“ (alles schaukelt noch mehr, als auf dem Boot) unseren Ausreisestempel beim Migrationsbüro und suchen uns ein Schnellboot, das uns nach Capurganá und damit endgültig nach Kolumbien bringt. Diese Fahrt dauert gerade mal eine halbe Stunde, vergessen werden wir sie aber wohl nie: Auf rauhester See rast unser winziges Boot durch die Wellen, hält mal schnell an, um ZU große Wellen vorbei zu lassen und prescht wieder los. In unmittelbarer Nähe brechen die rauen Wellen gegen die harten Felswände und wir können uns ausmalen, was mit uns passiert, falls das Boot kentert. Mehrere Male springt unser Anhänger („nein, nein, das passt schon...“) einen halben Meter in die Höhe und wir bekommen permanent Wellen aus Salzwasser übergeschüttet.



 

10.12.12
Während unserer letzten Etappe (24 Stunden durchsegeln) sichtet Jan neben dem Boot eine Lederrückenschildkröte - die größte Art der Welt und bekommt so einen Wunsch erfüllt. Später schwimmt gleich eine ganze Gruppe Delfine sichtlich erfreut neben dem Boot her.

 

08.12.12
Rafa und Philipa erfüllen uns den Wunsch, für Karinas Geburtstag am Cayo Holandes zu Ankern. Das Wasser ist unglaublich sauber und voller Lebewesen. Jan jagt mit dem Speer unser Mittagessen, das wir auf einer winzigen Insel zubereiten. Beim Schnorcheln zu morden macht ihm allerdings weniger Spaß und so war es wohl das letzte Mal... Wie zum Dank dafür zeigt sich uns am nächsten Morgen (oder als Geburtstagsgeschenk ??) ein ungefährlicher, doch immer noch Respekt einflößender bronzefarbener Riffhai.


Mit alten Traditionen soll man nicht brechen und so hat Jan bereits in Panama Stadt heimlich Glühweinzutaten besorgt. So können wir auf dieselbe Art wie in den letzten Jahren  auf Karinas Geburtstag anstoßen. Zugegebenermaßen - bei -16°C im letzten Jahr war das Getränk zweckgebundener .

Auf der Tigerinsel (was soll der Name hier in der Karibik?? Besuchen wir die überaus freundliche indigene Bevölkerung der Kuna, die uns sogleich ihre Waren anbietet - jedoch sehr zurückhaltend und wenig aufdringlich.

 

07.12.12
Karinas Seekrankheit erreicht ihren Höhepunkt, nach einigen „Erleichterungen“ geht es ihr jedoch besser. Temperaturen im inneren des Bootes, die selbst in der Nacht nicht unter 32 C° sinken, machen uns genauso zu schaffen, wie jegliche andere Aktivitäten außer Herumliegen... In der Nacht werden wir jedoch mit dem unvergleichlichen Naturschauspiel der „Magic Engine“ belohnt. Im Meer lebende Leuchtalgen (Noctiluca scintillans) beginnen bei der Berührung mit unserem Boot zu leuchten somit erhält unser Boot einen mehrere Meter langen Lichtschweif.

 
06.12.12 Karibik
Traurig, Alan zurück zu lassen, aber neugierig auf die Segelerfahrung, verlassen wir den Hafen von Portobelo. Schon nach wenigen Stunden darf Jan stolz das Ruder in die Hand nehmen und segelt das erste Mal. Herrlich, wie ruhig doch ein Segelboot ist. Karina hat genug mit ihrer Seekrankheit zu schaffen und versucht zu schlafen. Am späten Abend ist sie dann fit und genießt den umwerfenden Sternenhimmel. Wann bekommt man schon mal die Möglichkeit auf hoher See Sterne der nördlichen und südlichen Hemisphäre gleichzeitig zu sehen?!
 

05.12.12 Portobelo
Alan besucht heute den Konsul, der nach mexikanischem Gesetz entscheidet, ob er einen neuen Pass bekommt oder zurück nach Hause fliegen muss. Wir segeln also heute definitiv noch nicht los.
Bei seiner Rückkehr ist klar, dass seine ganze Reise vorbei ist - obwohl er sogar eine Kopie seiner Geburtsurkunde dabei hatte, verwehrte man ihm einen neuen Pass. Die Begründung: Die Papiere seien nicht beglaubigt... Es ist bewundernswert, dass Alan es selbst nach der Gewissheit, seine Reise abbrechen zu müssen, geschafft hat, optimistisch zu bleiben! Wir bedauern seine Lage aufrichtig und wären gerne mit ihm gemeinsam nach Kolumbien gereist, müssen uns jedoch stattdessen von ihm verabschieden. Wenigstens den heutigen Abend verbringen wir gemeinsam auf dem Segelboot, um einen angenehmen letzten Abend zu haben.

 

03.12.12 Portobelo
Alan fährt mit dem Bus zurück nach Panama Stadt, um noch ein paar Dinge zu erledigen und nimmt dort nachts aus Sicherheitsgründen sogar ein Taxi, dass ihn bis zu seinem Ziel fährt. Dann verlangt der Fahrer Geld. Alan denkt sich nichts dabei - zahlen muss er ja. Der Fahrer will jedoch sein GANZES Geld und fängt auf einmal an, auf ihn einzuschlagen. Dann entreißt er ihm seinen Rucksack, in dem sich unter anderem sein Pass befindet und fährt davon...
Alan reist seit 6 Monaten mit dem Fahrrad von Mexiko nach Argentinien. Auf seinem Fahrrad steht „Kilometer für den Frieden“, doch er wurde auf seiner Strecke bereits drei Mal ausgeraubt. Zuerst in Belize, dann in Honduras und nun in Panama - und das, obwohl er nun wirklich nicht wie ein reicher, weißer Ausländer aussieht.

 

03.12.12 Portobelo, Panama
Seit heute steht es fest! Übermorgen werden wir tatsächlich mit der „Rafio Amsterdam“ nach Kolumbien segeln, um den Darien Gap zu überwinden. Rafa aus Frankreich ist unser Kapitän, mit an Bord ist seine Freundin Filipa aus Portugal und der Mexikaner Alan, der seit einigen Tagen mit uns reist. 5 Nationen auf engstem Raum also .
Wir freuen uns riesig auf die neue Erfahrung, in einem Segelboot zu leben und mehr über Navigation zu lernen! Auf unserem Weg liegen die nahezu 400 paradiesischen San Blas Inseln, auf denen die indigenen Kunas teils noch völlig traditionell leben.



 

02.12.12 Portobelo
Wir trauen unseren Augen kaum - ein Kulturangebot! Nicht häufig haben wir so etwas in Lateinamerika gesehen... Eine Gruppe junger Leute präsentiert Filme, die ausschließlich in der Karibik gedreht wurden. Als einzig Weiße fallen wir auf, werden angesprochen und auf eine private Feier der Filmleute eingeladen. So verbringen wir u.a. mit Jorge, Gabriela, Anghelo, Melva und Henry einen interessanten Abend und werden zudem eingeladen, in das von ihnen für das Filmprojekt gemiete Haus umzuziehen.

 

01.12.12 Portobello
Nun sind wir also am historischen Hafen, der seinen Namen noch von Kolumbus erhalten hat und an dem man Segelboote nach Kolumbien finden kann. Wir schauen uns um und finden eine günstige Unterkunft, doch die Besitzer sind nicht zu Hause, wir nehmen Kontakt zu den Menschen auf, die uns aber nicht sofort mit allen Infos versorgen können und so bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten, warten, warten.

 

30.11.12 Vor Sabanita
Auf unserem Weg in Richtung eines Segelbootes nach Kolumbien ist durch einen Erdrutsch mit mehreren Toten die Straβe unpassierbar geworden, also bleibt uns als Alternative nur eine Maut-Schnellstraβe, die eigentlich für Fahrradfahrer gesperrt ist.
Als wir wegen einem Platten anhalten müssen, hält plötzlich ein Auto vor uns, aus dem der Mexikaner Alan springt, mit dem wir in E-Mail Kontakt standen und erwarteten, ihn evtl. heute zu sehen. Er reist normalerweise ebenfalls mit dem Fahrrad in Richtung Süden und ist uns bereits in Costa Rica begegnet. Da er ebenfalls ein Boot sucht, besprechen wir, in Kontakt zu bleiben.
Während dem Flicken hält ein Wagen der Straβensicherheit an und uns wird erklärt, dass wir aus Sicherheitsgründen nicht weiter fahren dürfen. Den Angestellten ist klar, dass wir nicht auf die normale Straβe ausweichen können und so packen sie uns kurzerhand mitsamt Rädern auf ihren Pick-Up und fahren uns bis zur nächsten Stadt. Echt nett!

Dort angekommen treffen wir Alan wieder, der kurzerhand seine Mitfahrgelegenheit aufgibt, um mit uns per Rad weiter zu fahren. Später regnet es in Strömen, er bereut es jedoch nicht, mit uns gekommen zu sein .

26.11.12 Panama Stadt
Jan hat heute seine neue Bankkarte an der deutschen Botschaft abgeholt (wofür er durch mehrere Sicherheitsschleusen musste), wir sind glücklich vereint und Jan bereitet für alle einen hessischen Zwiebelkuchen vor. Ein gelungener Tag .

25.11.12 Panama Stadt
Heute feiern wir fröhlich unser Wiedersehen und genießen nach ein paar Tagen Trennung gleich viel intensiver, wieder beisammen zu sein!

24.11.12 La Chorrera
Während Paul und Jan bei dem freundlichen französischen Pärchen Aymeric und Elise im Wolkenkratzer wohnend und im hauseigenen Pool baden, verbringt Karina eine stürmische Regennacht, die selbst die Panamericana unter Wasser setzt, in dem Baumhaus von Irving, Anubis, Gabriela und Paulo. Noch bevor Karina zu Bett geht, hat die Familie die Neuigkeiten und Fotos auf Facebook gestellt und Jan erf
ährt über diesen Weg, wie´s Karina so geht .



23.11.12 Panama Stadt
Heute überqueren wir (Jan & Paul) den Panama-Kanal, die Verbindung zwischen der Karibik und dem Pazifik. Der extreme Verkehr auf der engen Straβe macht uns etwas nervös, doch dann entscheidet sich ein Autofahrer, unser Supportfahrzeug zu sein und blockiert hinter uns mit Warnblinklicht die Straβe. Bei der rasanten und holperigen Abfahrt verliert Jan seine Flaggen, merkt das jedoch erst nach der Brücke. Paul hinter ihm reagiert sofort und rettet sie mit Hilfe unsers Supportfahrzeuges, dass kurzerhand komplett stoppt, um Paul freie Bahn zu machen. Danke schön!!

22. & 23.11.12 Santiago
Paul und Jan starten heute durch und fahren die längste Tagesetappe der Reise mit 144 km, die sie noch vor Sonnenuntergang an die Pazifikküste führt. Bei einem Restaurant bekommen sie die Möglichkeit, ein Bad zu nehmen und überdacht direkt am Meer zu schlafen. Am nächsten Tag fahren sie die restlichen Kilometer bis Panama Stadt und kommen bei den französischen Couchsurfern Aymeric und Elise an. Die groβe Überraschung: Das Zuhause der nächsten Tage ist ein richtig schicker Wolkenkratzer, in dem Paul und Jan auf 130 m mit beeindruckender Aussicht wohnen dürfen .




21.11.12 Santiago
Einen neuen Schaltzug bekommen wir in der Stadt selbst nach dem Besuch 13 verschiedener Geschäfte nicht, nehmen also bei dem dickeren Schaltzug einige Drähte weg und siehe da - es funktioniert (mal sehen, wie lang ).

Wir bemerken, dass wir tatsächlich über 600 Tage nicht eine Nacht voneinander getrennt waren… Für die Erfahrung, die Freude des Wiedersehens und um die gegenseitige Wertschätzung zu stärken, entscheiden wir uns, das erste Mal auf der gesamten Reise, getrennt zu fahren.

Jan hat mal wieder einige Updates für die Homepage vorbereitet. Für das kostenlose Wifi geht er in den McDonald's der Stadt und trifft dort prompt auf einen weiteren Fahrradreisenden, der aus gleichen Motiven hier ist . Der Reisende ist Paul aus Frankreich, zu dem wir über eine E-Mailgruppe von Fahrradreisenden in Südamerika (Panam Riders) bereits zuvor Kontakt hatten. Paul möchte genau wie wir nach Panama Stadt fahren und so entscheiden Jan und er, gemeinsam die 265 km zu fahren und dort auf Karina zu warten.

 

 

 

18.11.12 El Rincón bis Santiago
So langsam melden uns die Verschleißteile, dass wir bereits 21.000 km gefahren sind… Karinas Rohloff Schaltzug ist (mal wieder irgendwo im Nirgendwo) halb zerrissen und völlig verklemmt. In strömendem Regen, geschützt durch ein Bushäuschen sehen wir uns das Übel an. Ein fehlendes Werkzeug bekommen wir zwar bei einem nahe gelegenen Haus, unser Ersatzschaltzug erweist sich aber als zu dick und so stellen wir uns bereits darauf ein, dass Karina morgen die 80 bergigen Kilometer bis zur nächsten Stadt mit nur einem Gang fahren muss. Zuerst fragen wir beim gleichen Haus, an dem wir das Werkzeug bekommen haben, nach einem Tipp für einen Schlafplatz. Die nette Frau schickt uns zu ihrer Tochter Carmen, die uns ein Carport anbietet, das wir dankend annehmen. Nach nur 10 Minuten Anwesenheit bringt uns der 8-jährige Sohn zwei volle Teller Abendessen! Was für eine Gastfreundschaft! Gäbe es das in Deutschland?? „Hallo! Wir kennen uns zwar nicht, aber deine Mutter sagt, wir sollen hier schlafen.“ „Klar, kein Problem, hier habt ihr Abendessen…!“
Wie sich herausstellt, wohnt die Familie eigentlich in der nächsten größeren Stadt Santiago, fährt noch heute mit ihrem Kleinlastwagen dorthin zurück, nimmt uns gerne kostenlos mit (obwohl sie damit normalerweise ihr Geld verdienen) und lädt uns für die Nacht zu sich nach Hause ein.

Seit dem Süd-Osten Nicaraguas genieβen wir übrigens den besonderen Luxus, fast überall Trinkwasser aus dem Wasserhahn zu bekommen. Zu verdanken haben wir das der ständigen Nähe nicht landwirtschaftlich genutzter Berge, von denen durch Aquädukte geleitetes Bergwasser oder gut gefiltertes Regenwasser zu uns flieβt.

 

16.11.12 Vor Great Chiriqui
Dreißig Kilometer fehlen bis zur nächsten Stadt, doch Karinas Pedal hat genug vom Weltreisen und versagt völlig den Dienst. Zum Glück nimmt einige Zeit später ein Colectivo (kleiner Reisebus) Karina mitsamt Fahrrad auf dem Dach und all ihren Taschen mit. Jan schließt so schnell er kann auf „natürlichem Weg“ auf und trifft Karina mit bereits neu montierten Pedalen wieder. Qualität wird hier irgendwie anders geschrieben, aber bis Panama Stadt, wo es einen richtigen Fahrradladen gibt, wird sie damit wohl kommen.

14.11.12
Unsere Bremsklötze müssen so langsam mal wieder gewechselt werden und geben daher bei Regen kein gutes Bild mehr ab. Wir entscheiden uns also, erst morgen die 25 km lange Abfahrt zu nehmen und heute den Regen in einem Zimmer abzuwarten. Viel Auswahl gibt es hier in den Bergen allerdings nicht und so bleiben wir in einem Raum mit „natürlicher Klimaanlage“ - eine Bretterbude, bei der man selbst bei geschlossenen Fensterläden bestens die umliegende Landschaft genießen kann. Uns wird ein Preis von 12 Dollar pro Person genannt. Für diesen Betrag bekommt man hier normalerweise ein schickes Zimmer mit Fernsehen und Klimaanlage. Wir geben also zu verstehen, dass wir zusammen nicht mehr als 5 Dollar bezahlen werden. Unsere Gastgeberin ist einverstanden…

Jan hat zwar den Quetzal verpasst (äätsch) vertreibt sich aber die Zeit beim Warten auf Karina (wie meistens ) an der Straße mit einer Rettungsaktion einer Riesenraupe. Was das wohl für ein Schmetterling wird?? Spannweite einen Meter??

Erst gestern haben wir im Besucherzentrum des Wasserkraftwerkes ein Bild eines der schönsten und legendärsten Vögel der Welt gesehen. Es gilt als besonders seltenes Glück, den Quetzal mit eigenen Augen zu sehen. Als Jan gleich am Morgen bei einer starken Steigung einige hundert Meter vorfährt, fliegt direkt vor Karina ein Quetzal über die Straße! Klarer Fall, dass sie von nun an zwei Tage am Dauergrinsen ist .

13.11.12 Chiriqui Grande bis Chiriqui
Von Meereshöhe kämpfen wir uns hinauf in die Nebelberge Chiriquis bis auf 1200 m. Bei einer Sichtweite von teilweise weniger als 20 m fahren wir vorbei an einer grünen, äußerst belebten Wunderwelt und durch stärksten Regen zu dem Fluss Brazo de Hornito. Hier im Wasserkraftwerk Represa Fortuna werden 23% der in Panama genutzten Energie gewonnen. Völlig durchnässt sprechen wir mit dem Security Maximiliano, der uns dank Karina nach anfänglichen Zweifeln im Besucherzentrum schlafen lässt.

09.11.12 Isla Bastimentos
Nach deutlich mehr Tagen als geplant verlassen wir per Wassertaxi die Insel. In Mathias aus Belgien und Reinhold aus Frankreich hatten wir lustige und gute Spielpartner für die Abende. Insgesamt war hier eine bessere Stimmung, als auf der größeren Insel Colón, wenn auch der Dschungel auf beiden Inseln atemberaubend war.

05.11.12 Isla Bastimentos
Es ist 22:00 Uhr Ortszeit, somit hat Jan in Deutschland bereits seit Stunden Geburtstag . Danke schon jetzt für die ersten Glückwünsche! Jan wird das erste Mal seinen Geburtstag bei 30 °C feiern und auch das erste Mal mit selbst gemachten Cocktails in Kokosnüssen auf einer Karibischen Insel anstoßen.

Im Lädchen um die Ecke kaufen wir noch schnell ein paar Sachen für Jans morgigen Geburtstag. Vor dem Laden steht der Amerikaner Bruce, der in der Nähe anscheinend eine Finca mit Botanischem Garten hat. Aus einer Tüte verteilt er rote, längliche Beeren an Passanten. Auch uns drückt er die Miracle Fruit“ (Wunderfrucht) in die Hand, wir sind jedoch zuerst skeptisch. Zwei unserer Hotelbekanntschaften kennen die Frucht jedoch bereits und erklären uns, dass sie unbedenklich zu essen ist, jedoch eine umwerfende Wirkung hat: Für etwa eine Stunde mit sofortiger Wirkung nach dem Kauen schaltet die Frucht alle Geschmacksnerven für Sauer und Bitter aus. Somit kann man den Geschmack dank dieser Frucht auf bestimmte Komponenten konzentrieren.
Die erste Beere testet Jan mit einem Bier. Es schmeckt nach süßer Limonade! Später beißen wir herzhaft in eine Limone, die tatsächlich wie ein fruchtiger Zuckerwürfel schmeckt!

Nach dem Erkunden schöner Strände und vielleicht dem schönsten Dschungel, den wir bisher gesehen haben, entscheiden wir uns, von der extrem touristischen Insel Colón auf die ruhigere Insel Bastimentos umzuziehen. Unsere neue Unterkunft hat mehr Charme, ist billiger und die Einheimischen kümmern sich kaum um uns (bzw. unser Geld). In mehreren Wanderungen durchstreifen wir auch hier wunderbaren Dschungel, sehen erdbeerrote, orangene und fast weiße Pfeilgiftfrösche und atemberaubende, aber trotzdem einsame Strände. Fotos hätten wir gerne gemacht und geteilt, jedoch ist auf den einsamen Dschungelpfaden des Öfteren ein maskierter Mann mit Machete unterwegs, der allein in den letzten Tagen mehrere Menschen ausraubte. Wir bekamen rechtzeitig eine Warnung und den Tipp, dass er niemanden ohne Wertgegenstände angreift, lassen also auch die Kamera zurück…

03.11.12 Isla Colón
Schlechte Nachricht: 10 Meter, die Jan vom Hostal bis zum nächsten Geschäft zurücklegt, werden uns zum Verhängnis. Ein Taschendieb stielt Jans Geldbeutel inkl. 300 Dollar, Bankkarten, Führerschein etc. Es gibt sogar Überwachungskameras, auf denen wir Jan hinterher beobachten können. Als er durch eine Menschenmenge geht, ist er kurz verdeckt, dann ist alles weg, doch das merkte er erst im Zimmer...
Es geht uns jedoch gut und wenn man unsere Diebstahlquote der letzten 1,5 Jahre bedenkt, meint es die Welt echt gut mit uns!

Heute ist übrigens nicht nur ein Problemtag, sondern auch Panamas Nationaltag, an dem das Land die Unabhängigkeit von Kolumbien feiert. Dies zieht ordentlich Menschen nach Bocas del Toro, dem liebsten Urlaubsziel der Einheimischen. In einer Parade ziehen Schulklassen an unserem Haus vorbei, musizieren, marschieren oder versuchen einfach nur schick auszusehen.

31.10.12 Almirante
Nach nur wenigen Kilometern, aber über 1000 Höhenmetern mit Steigungen von teilweise 15% erreichen wir in der Dämmerung Almirante, von wo wir sogar noch um 18:30 Uhr ein Schnellboot nach Bocas del Toro bekommen. Wir zahlen gerade mal 10 Dollar für uns und die Fahrräder, obwohl wir eine ganze Sitzbank extra brauchen und das Schiff restlos voll ist. Es ist bereits stockdunkel, als das Boot losrast und über Wellen springt. Nachdem wir die Bucht verlassen, bewegt sich das Boot ziemlich rau (müssen wir deswegen Schwimmwesten tragen??), die Fahrräder sind jedoch ausnahmsweise mal wirklich gut verstaut, so dass sie keinen Schaden nehmen.
Zum Vergleich: Die normale Fähre, die einmal am Tag fährt, braucht 2,5 Stunden, das Schnellboot 20-25 Minuten.

 

Was soll man da noch hinzufügen? Panama hat ähnlich wie fast alle Regionen in Zentralamerika ein echtes Müllproblem.
Immer mehr verstehen wir, dass wir es den Leuten aber nicht einmal übel nehmen können, dass sich viele nicht die Bohne um ein sauberes Land bemühen. Eine Müllabfuhr gibt es nur in großen Städten und Recycling umso seltener.

Wir fahren unsere ersten Kilometer im neuen Land, da begegnen wir einer Straßensperre der besonderen Art: Ein „Bananenzug“ fährt einmal mitten über die Straße und behindert die Weiterfahrt. Echt lustig für uns Europäer

30.10.12 Guabito
Über eine Holzbrücke, auf der so einige Balken fehlen und man leicht in den darunter liegenden Fluss fällt, wenn man nicht aufpasst, rollen wir die Räder nach Panama. An dem Grenzhäuschen sitzen und stehen bereits einige Leute. Wie sich herausstellt, ist das ganze Computersystem abgestürzt und so darf niemand, außer den Einheimischen, ein- oder ausreisen.

Nach stundenlangem Warten nähert sich um 18 Uhr das Ende der Öffnungszeiten. Inzwischen warten weit über 50 Menschen, von denen wir nun bestimmt die Hälfte kennen. Die Computer gehen immer noch nicht, doch auf einmal entschließen sich die Grenzbeamten, einfach so Stempel zu verteilen und so ist alles in weiteren 10 Minuten erledigt… Warum nicht gleich so?!



28.10.12 Cahuita
Der typische Anblick vor einem Supermarkt: Karina ist allein bei den Fahrrädern und tippt in ihr Handy… Schon seit über einem Jahr haben wir uns, neben vielen gemeinsamen Aufgaben, für eine Teilung der Weltreise-„Arbeiten“ geeinigt. Jan kümmert sich ums Einkaufen, Kochen und die Homepage, Karina schreibt unser bisher unveröffentlichtes Tagebuch, den großen Schatz für die Zeit nach der Reise.

23. - 28.10.12 Cahuita
Ein Schild für eine Tierrettungsstation nahe dem Meer lockt uns, in eine Straße einzubiegen. Wir können uns vorstellen, uns dort für einige Tage als Volontärarbeiter anzubieten. Als wir dann die Station geschlossen vorfinden, suchen wir wie gewöhnlich einen Schlafplatz. Wir sind sofort gleicher Meinung, wo wir nach einem Zeltplatz fragen möchten: bei einem Haus auf unserem Weg konnte man durch die Glasfront des Gebäudes zwei bis an die Decke ragende Bücherwände sehen. Der dort lebende Mensch könnte interessant sein... Auf Karinas Rufen erscheint nach einiger Zeit ein alter Mann, der sich später als der englische Schriftsteller, Komponist und  emeriert Universitätsprofessor Keith Botsford herausstellt. Dieser erfüllt nicht nur unseren Wunsch nach einem Schlafplatz, sondern lädt uns vielmehr ein, einige Tage das Reisen ruhen zu lassen und stellt uns dafür sogar ein Zimmer zu Verfügung.
Und so werden wir schlagartig Teil eines Schriftstellerlebens, das in fünfundachtzig langen, interessanten Jahren enormes Wissen angesammelt hat. Während gemeinsamen Arbeitspausen und Abendessen gibt Keith uns in seinem Casa Kike intellektuelle Kostproben, fordert uns heraus oder erzählt von seinem reichen Leben.
Wir nutzen die Möglichkeit eines „festen Wohnsitzes“ hauptsächlich um liegen gebliebene Arbeiten zu erledigen, baden jedoch auch am herrlichen Strand, lesen in den ersten Teilen Keiths Biografie und besuchen die geschlossene Tierrettungsstation, die wir dank eines Tipps über den Hintereingang erreichen. Karina streicht als Dankeschön für den Aufenthalt einen Teil Keiths Garage neu, Jan baut ihm ein Bambusstövchen für ein gemeinsames Käsefondue und kocht Böhmische Knödel mit Kraut und Braten.
In Keiths liebstem italienischen Restaurant „Sobre las Olas“ am Black Beach in der Nähe, zelebrieren wir bei feiner Fischsuppe und Zackenbarsch unseren letzten Abend vor unserer Weiterreise und blicken auf eine Zeit zurück, in der wir alle weit mehr von- und übereinander gelernt haben, als durch die bloß gesprochenen Worte. Am meisten zum Nachdenken regen im Leben wohl nicht die harmonischen, sondern die Menschen an, mit denen man auch mal aneckt.

23.10.12 südlich von Limón
Nur wenig neben der Straße entdeckt Jan das erste Mal selbst ein Faultier. Wie er das Tier, das sich kaum bewegt und nahezu nicht von Baumrinde zu unterscheiden ist, beim Fahrradfahren entdecken konnte, ist eine gute Frage…

Diese harmlos aussehende Schutzhülle für Bananenstauden hat es in sich (hier auf einer Plantage von Chiquita). Sie dient dazu, den Reifeprozess zu beschleunigen, ist jedoch ebenfalls in Gift getränkt, um Insekten abzuwehren. Aufgrund der Massen an Insekten und der Monokultur können wir nachvollziehen, dass Insektenschutz wichtig ist, nur sind dummerweise die Hüllen fast ebenso häufig auf Reisen, wie auf den Bananenstauden zu finden. Die enthaltenen Nematizide wurden von der Weltgesundheitsorganisation WHO in die höchste Gefahrenklasse eingeordnet und vergiften auf diese Art Flüsse und Säugetiere. Lediglich Hautkontakt kann tödlich wirken... Wer mit gutem Gewissen Bananen essen mag, kann auf Biobananen umsteigen, die frei von Giften sind!

22.10.12 vor Limón
Auf die Frage „Was ist den das?!” erfahren wir bei einem Obst- und Gemüsehändler von den ‚Palo de Pejibaye’-Palmen und deren Früchten, die Pejibaye oder je nach Land Pibá, Chontaduro, etc. genannt werden. Wer weiß, ob wir sie probiert hätten, wenn er uns nicht eine fertig gegrillte Frucht angeboten hätte. Der Geschmack ist umwerfend! Sie schmecken ein wenig wie Kartoffeln vermischt mit Kastanie, in denen die Würze bereits integriert ist. Dafür nehmen wir sogar die Kochzeit von einer Stunde in Kauf.

Es ist einfach unglaublich, WIE viele der weltweiten Früchte uns völlig unbekannt sind! Eine weitere Lücke schließen wir, als wir heute den „Wasserapfel” kennen lernen. Er hat eine ähnliche Konsistenz wie eine halbreife Birne, ist jedoch weniger süß.

21.10.12 Cairo
Durch die gleiche Wahl des Badeflusses lernen wir das junge, sympathische Paar Jenny und Alberto, sowie fast deren ganze Familie kennen. Heftiger Regen unterbricht unser Picknick nach dem Bad und wir nutzen die Chance, die Einheimischen nach einem überdachten Schlafplatz zu fragen. Diese schauen sich kurz an und laden uns dann kurzerhand zu sich nach Hause ein. Auch wenn sie, wie sich später herausstellt, nahezu nichts besitzen, da sie sich gerade ihr Leben an einem neuen Ort aufbauen, bewirten sie uns wie Ehrengäste. Beim leckeren Abendessen des traditionellen Familien-Sonntag-Gerichts ‚Olla de Carne’ (Fleischtopf mit Wurzelgemüse wie Yuca sowie Kochbananen) sehen wir uns „Die mörderischsten Truckrouten der Welt“ an - passt gut, immerhin ist Alberto selbst Trucker.

Vor Cairo
Heute zieht Karina nach und erreicht breit grinsend ebenfalls „ihre” 20.000 km. Somit haben wir gemeinsam genug Strecke zurückgelegt, um theoretisch einmal um die Welt zu kommen. Na dann können wir ja aufhören und etwas Neues machen ...

20.10.12 Horquetas
In strömendem Regen erreichen wir triefend vor Nässe ein Hotel und hoffen auf eine günstige, trockene Unterkunft. Der Preis übersteigt unser Budget bei weitem, doch der Besitzer bietet uns seine Garage als Notunterkunft an. Wir sind ihm überaus dankbar, nicht wieder in den Regen zu müssen und beziehen unser neues Heim. Interessiert an diesen außergewöhnlichen Reisenden schaut er immer wieder nach uns und später auch seine Frau. Wir bekommen ein Bett und Schaukelstühle, ein Bett mit Matratze und fühlen uns am Ende eigentlich mit mehr Komfort und Platz versehen, als in einem Hotelzimmer .

Costa Rica kann Regen, Gastfreundschaft, Dschungel und wie wir heute lernen auch Riesenmotten!

Um eine Kirche zu bauen, braucht es nicht viel Geld. Das beweist uns diese wohl schäbigste Glaubensbude, die wir je gesehen haben. Und trotzdem: vielen Menschen wäre es in der Vergangenheit vielleicht besser gegangen, wenn die Kirche NUR solche Bauten errichtet hätte…

15. - 19.10.12 La Union de Venecia
Wie inzwischen sehr häufig fragen wir aus Sicherheitsgründen bei Privatleuten, ob wir unser Zelt bei ihnen im Garten aufstellen dürfen. Doña Franzisca und ihre Tochter Elisa sind äußerst nett zu uns und gestatten uns unseren Wunsch, kümmern sich aber darum, dass wir Kontakt zu ihren Nachbarn bekommen, da diese ein leer stehendes Haus mit Strom und Trinkwasser besitzen, was doch besser als ein Zeltplatz bei Regen wäre. Joaquín, seine Frau Clary und deren Kinder Joaquín und Camila stimmen nicht nur sofort zu, sondern geben uns viel mehr das Gefühl, alte, zurückgekehrte Freunde zu sein. Joaquín versichert uns immer wieder, dass wir so lange bleiben können, wie wir mögen, was wir dann auch dankend annehmen, da Jan nun auch erkältet ist. Clary überrascht uns täglich mit neuen gekochten Leckereien, auf einer Grundstücksführung lernen wir weitere lokale Bäume kennen und genießen auf deren Terrasse Tukane und Montezuma Oropendolas so lange und nah wie noch nie. Nach viel gemeinsam verbrachter Zeit verabschieden wir uns dann tatsächlich als Freunde und empfangen Clarys Segen, Tränen und gute Wünsche mit unseren Herzen.

15.10.12 Vor dem Vulkan Arenal
Ein weiterer Meilenstein unserer Fahrradweltreise! Wir haben nun 20.000 km zurückgelegt! Genauer gesagt sind es jedoch so „mehr oder weniger“ 20.000. Jan ist bereits 135 km mehr gefahren, Karina fehlen noch 145 km. Warum wir hier das Foto machen?? Als Jan am 09.10. seinen runden Kilometerstand hatte, schüttete es so sehr, dass wir nicht einmal auch nur für ein Foto die Kamera zücken konnten. Heute ist der erste Tag, an dem wir wieder Rad fahren UND das Wetter ein wenig stabil ist. Ausserdem ist die Kulisse doch auch nicht schlecht gewählt, oder?!

So langsam bekommen wir Übung im Öffnen von Kokosnüssen. Jan verzichtet aus offensichtlichen Platzgründen auf die allgegenwärtige Machete und verlässt sich einzig auf sein Schweizer Taschenmesser, mit dem er uns fast ebenso schnell zu dem leckeren Wasser und Fruchtfleisch verhilft.

10.10.12 Zwischen Santa Cecilia und Upala
Heute liegt die einzige unbefestigte Straße auf unserer Route durch Costa Rica vor uns. Es regnet mindestens aus Eimern - vielleicht auch Badewannen - und als wir das Stück erreichen, ist es bereits recht spät. Kurz vorher hörten wir, dass es sich um eines der ärmsten Gebiete des Landes handelt und Überfälle recht häufig sind. Alles zusammen führt uns zu der Entscheidung, per Anhalter auf der Ladefläche eines Lastwagens mitzufahren. Unser Fahrer fährt wirklich vorsichtig, doch die Straße hat keine Schlaglöcher, sondern die Schlaglöcher ein wenig Straße… Unsere Räder mitsamt uns fliegen immer wieder 20-30 cm in die Luft. Später bekommen wir die Möglichkeit, dem Regen zu entkommen und finden, nachdem jemand ausgestiegen ist, im Führerhäuschen Platz. Für uns ist das wärmer und komfortabler, doch die Räder sind somit ohne Aufsicht und machen immer mehr, was sie nicht sollen… Jans Rad bekommt „nur“ den größten Lackschaden bisher, Karinas Bremsleitung leider jedoch ein Leck, was bei Öldruckbremsen fatal ist: das Öl läuft aus und die Bremse funktioniert überhaupt nicht mehr. Wir sollten wohl ein für allemal lernen, dass man bei einer Fahrradweltreise Fahrrad und nicht Auto fährt .
Im nächsten Hotel legen wir einen Zwangsstopp ein - einmal, um die Bremse zu reparieren, zum anderen ist Karina nach ständigem Regen krank geworden und muss sich auskurieren. Zum Glück führen wir blaues Blut für die Bremse, als auch Kräuter und Ingwer zum Inhalieren mit und somit kann es nach einigen Tagen weiter gehen .

09.10.12 La Cruz
Ein lange überfälliger Rieseneinkauf und starker Regen halten uns bereits in der nächsten Stadt fest. Bei einem italienischen Restaurante fragen wir nach einem Zeltplatz im Garten. Nach Geschäftsschluss sei das in Ordnung und so beschließen wir, unser Abendessen vor Ort zu bestellen und mal nicht zu kochen . Später lässt uns der Besitzer Neftalio sogar im Restaurant schlafen, was uns den Zeltaufbau und das nasse Zelt am Morgen erspart. Am nächsten Morgen besucht uns ein wenig scheuer Nasenbär, der wohl schon gelernt hat, dass es beim „Italiener um die Ecke“ immer mal einen leckeren Bissen gibt .

Finca Cañas Castillas
Eigentlich sind wir ja bei der Finca geblieben, weil Karina von den Pferden gehört hat, mit denen man einen Ausritt über die Finca machen kann . Tatsächlich lassen wir die Weiterreise noch ein bisschen warten und sogar Jan, der erst zweimal auf einem Pferd saß, stimmt dem Ausritt mit den gut gepflegten Pferden zu. Es geht alles recht gemütlich zustatten, Guido erzählt von dem Leben auf der Finca und wir sind mit unseren Pferden zufrieden.
Die Gemütlichkeit wird mit einem Schlag zerrissen, als Guido beiläufig sagt „jetzt kommt ein gutes Stück zum Galoppieren…“. Die Pferde preschen los, Karina mit Reiterfahrung vorneweg. Guido überholt Jan, das kann sich sein Pferd jedoch nicht bieten lassen und beschleunigt noch etwas mehr. Nie, nie, NIE ist Jan so schnell geritten, der sich gefreut hätte, wenn man ihm vorher wenigstens ein wenig über Galopp erklärt hätte. Alles, was ihm durch den Kopf geht, ist „irgendwie im Sattel bleiben“. Der Rausch der Geschwindigkeit verzieht sein Gesicht zu einem breiten Grinsen, während er, gleichzeitig leicht in Panik geratend, das Gefühl hat, keinerlei Kontrolle über die Situation zu haben. Die Pferde nehmen die Kurven auf dem feuchten Waldweg mit einer Geschwindigkeit, die unsere Räder definitiv nicht geschafft hätten und doch sind alle nach dem für uns beide längsten Galopp zumindest körperlich ( ) wohlauf. Jan weiß nun, dass schnelle Pferde ihm ganz klar mehr „Thrill“ bieten als jede Achterbahn der Welt.
Mit noch mal frisch gebackenem Brot von Agi in unseren Taschen verabschieden wir uns am gleichen Tag vom freundlichen Schweizer Pärchen und machen uns zurück zur Panamericana.

08.10.12 Finca Cañas Castillas
An unserem ersten Tag in Costa Rica hält der Schweizer Guido neben uns an und lädt uns auf seine Finca ein. Wir sind erst eine halbe Stunde auf den Rädern, möchten aber das freundliche Angebot nicht abschlagen und sagen wenigstens auf einen Kaffee zu. Guido und seine Frau Agi, betreiben neben der Finca ein Hotel, für deren Gäste sie u.a. mehrere  Naturlehrpfade angelegt haben. Diese nehmen uns dann die Entscheidung ab, ob wir weiterfahren oder bleiben . Das Zelt lassen wir eingepackt, da wir ein günstiges Zimmer angeboten bekommen.
Vorbei an Spinnenaffen, grünen Leguanen, riesigen Schmetterlingen (z.B. Morphos und Caligos) und Vogelgezwitscher laufen wir den Pfad ab, der uns die reichhaltige Natur Costa Ricas etwas näher bringt. Agi zeigt uns später unser erstes Faultier, wir bekommen selbst gemachten Pitahaya (Drachenfrucht) - Wein aus dem Garten und frisch gebackene Brötchen, wie man sie normalerweise nur in Europa bekommt.

 

06.10.12
Wir erreichen das Land der „Ticos“! Costa Rica, das in Naturschutz, Wohlstand und Tourismus reichste Land Zentralamerikas liegt nun vor uns! Wir sind gespannt auf das „Pura Vida“ Lebensgefühl!
Costa Rica ist übrigens das erste Land bei dem wir nicht für die Ein- oder Ausreise zahlen müssen.

 

06.10.12 Rivas
Wer hätte das gedacht: Noch kurz bevor wir das wenig entwickelte Land Nicaragua verlassen, fahren wir an einem riesigen Windpark vorbei. Regenerative Energien in so großer Menge haben wir auf unserer Reise nur selten gesehen.

 
 
   

 
   
 
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