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Heute hilft uns Amir, der uns schon lange Kilometer vor seinem Wohnort in gutem Englisch angesprochen hat. Er wollte uns zwar nur zum Kaffee einladen (mal kein Tee, da er viele Jahre in den Niederlanden gewohnt hat ), hat uns aber auch gerne über Nacht da. Das kommt uns sehr gelegen, da Jan mal wieder einen Platten zu flicken hat.

 

Dies ist die andere Seite des Irans... Hier sind zwei während unseres Iran Aufenthalts aktuelle Nachrichten - für uns wichtig genug, daß wir euch informieren wollen:


Die iranische Studierende Reyhaneh Jabbari wurde 2007 als Innenarchitektin in ein Haus gelockt, in dem man versuchte, sie zu vergewaltigen. Sie wusste sich zu wehren, einer der Angreifer starb. Nach einem auch international kritisierten Gerichtsverfahren, in dem Beweismittel für die versuchte Vergewaltigung übergangen wurden, wurde Reyhaneh 2009 wegen Mordes zum Tode verurteilt! Zu unserer tiefen Bestürzung wurde das Urteil, während wir gerade im Iran waren, im Oktober 2014 vollstreckt.

Mehr Infos: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/iran-richtet-26-jaehrige-reyhaneh-jabbari-hin-a-999214.html
 
(Quelle:http://cdn.ntrzacatecas.com/archivos/2014/09/reyhaneh-jabbari.jpg)


Ghoncheh Ghavami ist britisch-iranische Bürgerin mit Wohnsitz in England. Ghoncheh hielt sich für ein paar Monate im Iran auf, um für eine Hilfsorganisation für Straßenkinder als Lehrerin zu arbeiten und um ihre Familie zu sehen. Sie besuchte ein Volleyballspiel. Klingt im Westen nicht sehr spektakulär - hier ist es Frauen jedoch verboten, Sportveranstaltungen zu besuchen! Sie dachte, dass es Frauen erlaubt sei, Spiele der Männermannschaft der Volleyball-Weltliga zu besuchen, da Iran erst kürzlich vom Internationalen Volleyball Verband in dieser Angelegenheit verwarnt (FIVB) wurde. Sie wird gefangen genommen, kommt in Einzelhaft. Gerüchte von psychologischer Gewalt kursieren. 5 Monate später kommt es zur Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis wegen Propaganda gegen das Regime. Sie geht mehrfach in Hungerstreik. Die Verhandlungen werden neu angenommen und endlich nach 149 Tagen Gefängnis kommt sie frei. Doch nur vorläufig, denn das letzte Urteil ist noch nicht gesprochen...

Mehr Infos: https://www.change.org/p/holt-meine-schwester-nach-hause-freeghonchehghavami
 
(Quelle:http://www.thetimes.co.uk/tto/multimedia/archive/00766/1102349c-39ed-11e4-_766829c.jpg)

30.11.14 Bei Yolageldi

Wir treffen auf der Straße Ali aus Österreich - ausnahmsweise mal kein Fahrradreisender. Er läuft… Nicht zum Supermarkt nebenan, sondern ein wenig weiter: über 8.000 km von zu Hause in Graz bis nach Mekka. Dies hatte er seiner krebskranken Schwester versprochen, sofern sie ihre Krankheit überwindet. Nun hält er sein Versprechen und läuft dafür dreißig Kilometer am Tag. Eine stolze Leistung! Hier sein Blog: https://onthewaytoday.wordpress.com/

29.11.14 Gharehzyadin

Mal wieder ein ausgefallener Schlafplatz: In der Tierarztpraxis von G. - einem Bekannten A.'s aus Marand

28.11.14 Marand

Schon in den ersten Tagen im Iran hörten wir über einem anderen Radreisenden von A.. Dieser außergewöhnliche Mensch aus dem kleinen Marand im Norden Irans hat sich vor drei Jahren bei Warmshowers (s. Lieblingslinks) angemeldet und entschieden, JEDEN Radreisenden auf der Durchreise bei sich einzuladen. Uns wurde gesagt: "wenn ihr ihn nicht findet, findet er euch". Und tatsächlich stoppte schon lange vor der Stadt ein Auto vor uns, dessen Fahrer sagte "Ich bin A.!" . Über unser Herannahen hatten ihn befreundete LKW-Fahrer informiert. Untergebracht werden wir bei Bekannten, die uns sofort behandeln, als hätten sie uns selbst eingeladen . A. selbst reist nicht einmal mit dem Rad, trotzdem kann man ihn wahrscheinlich sportlicher nennen, als uns! Jeden Morgen rennt er 10 km und einmal in der Woche einen Marathon. Sein Traum ist es, einmal durch die Sahara zu laufen - jeder hat eben andere Träume !

Später zeigt er uns seine Fotoalben der Reisenden, die er begrüßte. JEGLICHE Radreisende, von denen wir wussten, daß sie Iran besuchten, finden wir wieder! Wir hören schöne und ermutigende Geschichten und auch von Verunglückten, deren Reise ein jähes Ende auf der Straße nahm.

Wir sind die Besucher Nr. 500 und 501...




24.11.14 Tabriz

Brrr! Der erste Schnee hat uns erwischt! Bei einer Höhe von 2200 m waren es ganze 5 cm in einer Stunde…
 

Wenige Tage vor unserer Ausreise in die Türkei am 02.12. machen wir noch einmal Stopp in Tabriz, der letzten großen Stadt vor der Grenze, um die Räder winterfertig zu machen, hoffentlich Karinas herunter gefallenes Handy reparieren zu lassen (Display zersprungen) und zu organisieren, wie uns einige Ersatzteile, die wir benötigen, aus Deutschland erreichen können.

Ein Handyladen hat tatsächlich das von uns benötigte Ersatzteil für Karinas Nokia 820. Beim Versuch, das Teil auszutauschen, bricht der Mitarbeiter direkt zwei Schrauben ab, was jedoch außer Karina niemanden wirklich zu interessierten scheint. Erbost untersagt sie jede weitere Berührung und so darf sich Jan am Werkzeug des Ladens versuchen, der, dem Internet sei dank, schnell gelernt hat, die man eigentlich Handys repariert . Mit großem Respekt macht er sich ans Werk und tatsächlich funktioniert Karinas geliebtes Handy wenig später wieder! Ein Mitarbeiter lobt die deutsche Sorgsamkeit - wenn ihm daran so viel gelegen ist, wieso  arbeitet er dann nicht selbst so?!


22.11.14

Von einem anderen Radreisenden wurde uns der "Geheimtipp" gegeben, beim Roten Halbmond (das muslimische Pendant zum Roten Kreuz) um Unterkunft zu bitten. Unter Erfahrungen damit:

1. Mal: Sichtlich verwirrte Mitarbeiter, doch wir werden tatsächlich sofort aufgenommen und dürfen sogar die Küche verwenden.

2. Mal: Wir fragen nur nach Wasser, bekommen noch Tee, erzählen ein wenig und werden dann eingeladen, doch zu bleiben. Auch hier sind wir die ersten Radreisenden.

3. Mal (früh am Morgen): Wir brauchen nur Wasser, was wir direkt erhalten. Die Jungs sind sehr interessiert und fragen uns neugierig aus. Schließlich müssen wir fast schon Überredungskünste anwenden, um wieder fahren zu dürfen...
 


21.11.14 Bei Abadi Soltan Abad

Wir errichten unser Nachtlager unter freiem Himmel, windgeschützt in einer kleinen Ruine und finden genügend trockenes Holz, um nach einer Ewigkeit endlich mal wieder Lagerfeuerromantik zu haben. Mitten in der Nacht einsetzender Regen hat hingegen wenig Romantisches. Karina will das Zelt aufbauen, Jan die paar Tropfen unter einer Plane ignorieren und weiter schlafen. Der Konflikt betritt viel zu schnell raue Gewässer, von denen wir uns noch lange am Morgen erholen müssen. Immerhin hat uns Karinas Hartnäckigkeit vor einem später stärker einsetzenden Regen bewahrt...


19.11.14 Zanjan

Karinas Handy kann der ewigen Erdanziehung nicht mehr widerstehen und bringt uns jede Menge Glück, denn das sollen Scherben ja bekanntlich... Nun gilt es also mitten im Iran Ersatzteile und einen Reparaturservice zu finden. Hier gibt es leider nichts, doch mit Hilfe einer Einheimischen finden wir einen Laden in Tabriz, der nächst größeren Stadt weiter nördlich, zu der wie ohnehin unterwegs sind.
 


15. - 19.11.14 Kashan bis Zanjan

Wir sind bereits wieder glücklich vereint, können das Folgende also an dieser Stelle erzählen, OHNE das sich jemand Sorgen machen muss : Wir haben uns für eine knappe Woche getrennt! Unser Visum endet bald und Karina hat eine Erkältung bekommen. So fehlt ihr die Kraft, schnell genug zu fahren und die Zeit, sich auszuruhen. Karina bleibt also einige Tage länger in Kashan und nimmt dann den Zug nach Zanjan, wo sie Jan wiedertrifft. Dieser freut sich, bei deutlich längeren Tagesetappen seinem Körper mal alles abzuverlangen und endlich zu erfahren, wie er sich so ganz allein in der großen weiten Welt zurecht findet.

Auf seinem Weg stoppt er in Qom, der wahrscheinlich konservativsten Stadt Irans, denn sie gilt neben Mashhad als wichtigste religiöse Stadt Irans. Hier ist das Mausoleum von Fatima Masumah, der Schwester des achten Imam 'Ali al-Rida. Frauen gelten als heilig, wenn sie mit einem der zwölf Imame verwandt sind, daher gilt der Schrein als zweit-wichtigste Pilgerstätte im Land. Was Jan jedoch gedanklich mehr beschäftigt, ist, das hier die Revolution ihren Anfang genommen hat, die das Land 1978/79 von einem modernen, westlich orientierten Staat zurück ins Mittelalter des Scharia-Rechts geworfen hat.

Jan verfolgen etliche Gedanken und ein sehr seltsames Bauchgefühl, als er in die Stadt hinein fährt. Da er nun aber schon mal hier ist, will er sich ansehen, wohin genau so viele Menschen pilgern und betritt das Gelände des Mausoleums. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % ist er im gesamten Komplex der einzige Nicht-Moslem. Noch lange vor dem erreichen des heiligen Schreins wird er aufgehalten, da der Zutritt ausschließlich Moslems vergönnt ist. Durchaus freundlich treibt man einen Dolmetscher auf und fragt ihn höflich über seine Religion und Reise aus. Als Christ gilt man hier nicht als ungläubig, auch die Schiiten glauben an Jesus, allerdings ist er für diese ein Prophet und nicht Gottes Sohn. Als die Sprache zum Reisemittel kommt, zeigt man ihm Respekt vor seiner Leistung. Jan schüttelt noch einige Hände höherer Würdenträger und wird dann tatsächlich zum Mausoleum geführt! Nicht der Ort, doch die Geste ergreift Jan sehr.

Später erhält er noch für Pilger gedachte Verpflegung und wird zu einem wahrscheinlich noch höheren Würdenträger gebracht, der ihm komplett Iran-untypisch Kaffee anbietet und mehr über seine Ansichten und seine Weltreise erfahren will. Wer nun darauf wartet, dass die Geschichte damit endet, dass er eingesperrt wird o.ä., muss leider enttäuscht werden . Man wünschte sich einen guten Abend und Jan ging seiner Wege ...
Während den weiteren Tagen des Allein Seins wiederholt sich trotz Karinas Abwesenheit wider Erwarten das typische "Iran-Programm" : Unkompliziertes wild campen, unterwegs mehrere Frucht- und Schokoladengeschenke, eine Einladung zum Übernachten, die jedoch zu weit entfernt liegt und zu einer Übernachtung in einem Restaurant, in dem Jan zu Abend gegessen hatte. Dort verbringt er den Abend mit dem Besitzer am Feuer, Jan mit Tee, der Iraner mit Opium.

14.11.14 Kashan

Traditionell haben die Türen hier gleich zwei Klopfer und das hat einen sehr interessanten Grund: Einer ist für Männer und einer für Frauen. So wissen die Frauen im Haus, ob sie schnell das Kopftuch anlegen muss, um dem Besucher die Tür zu öffnen, oder nicht .
 
Die Hauptattraktionen der Stadt sind definitiv der gigantische, mehr als 500 m lange Basar und die herrschaftlichen Häuser reicher Kaufmänner der Vergangenheit.
Vor einem dieser schönen historischen Häuser kommen wir mit zwei französischen Motorradfahrern ins Gespräch, die abzulesen an ihrer Ausrüstung, ebenfalls länger unterwegs sein dürften. Tatsächlich sind Grégoire & Catherine schon fast zwei Jahre um die Welt getingelt, mit ihren Cross Bikes auch gerne Mal Offroad. Ihre Reise endet bereits zu Weihnachten zurück in Frankreich. Eine lustige Parallele zwischen uns: Auch Catherine hatte vor der Reise noch nie an eine Motorradreise in diesem Ausmaß gedacht, steht aber hervorragend ihre Frau... Hier der Blog: www.parleschemins.eu
Wer keine Ahnung von etwas hat, sollte sich darüber informieren oder wenigstens die Finger davon lassen... Ansonsten wird das Ergebnis bestimmt nicht sehr Biutifol ...

23.11.2014 Rousta Koukhalou

Wie erreichen eine größere Stadt und möchten mal wieder drinnen schlafen, Strom haben und eine warme Dusche. Wir erreichen das einzige Hotel der Stadt und es wird uns ein unverschämter Preis angeboten, da man sich sicher ist, das wir sowieso keine Wahl haben, als zu akzeptieren. Freundliches reden hat noch nie so wenig geholfen, der Besitzer ist sogar so dreist, rund heraus zu behaupten, dass alle Europäer reich seien und selbstverständlich jeden Preis zahlen könnten. Arbeitslose, Arme oder wie in unserem Fall extrem Budget-gebundene Reisende existieren in seinem Bild von Europa nicht.

Wir gehen also zur gegenüber liegenden Tankstelle, um uns dort, wie so oft, auf der Toilette zu waschen und Wasser für die Nacht zu besorgen. Noch bevor Jan aus der eiskalten "Dusche" kommt, hat sich Karina bereits mit den Tankwärtern angefreundet, die uns direkt und ohne Nachfrage ihren Gebetsraum als Schlafplatz anbieten. Mal wieder ein Happy End und neue Freunde gefunden .
 

09.11.14 Bei Naeen

In der Vergangenheit war eine Karawanserei im Prinzip eine relativ sichere Zuflucht für Karawanen. Die meist aus Lehm gefertigten hohen Mauern schützten die Reisenden vor Angreifern aber auch Stürmen. Heutzutage sind sie weitestgehend verlassen, zerfallen oder zu Touristenattraktionen umgebaut.

Diese Karawanserei dient wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung und bietet Reisenden (nämlich uns ) ein sicheres Nachtlager!
 

08.11.14 Um Meybod

Jan schaut sich bei einer Mittagspause die Bäume an. Auf dem ersten Blick ähneln sie Feigen, doch die Blätter passen einfach nicht. Dann sieht er, was bei der Ernte ganz oben im Baum vergessen wurde: Pistazien! Es gibt wohl kaum einen, der sie nicht kennt, aber wohl auch genau so viele, die den dazu gehörigen Baum noch nie im Leben gesehen haben. Klingt komisch, doch dieser Moment ist einer der Highlights im Land

Mit frisch geschultem Blick finden wir noch ganze Hände voll und sind begeistert, das erste Mal frische Pistazien zu essen.
Es herrscht gerade Granatapfel-Überschuß-Zeit! Immer wieder finden wir verwilderte Bäume, die evtl. wegen geringerer Qualität komplett den Vögeln (oder eben den Fahrradreisenden ) überlassen werden.

18.10. Bei Abadi Abshour

Kaum ein Land eignete sich bisher so gut zum wild campen, doch noch nicht einmal das ist nötig. Wenn wir nach den iran-typisch vielen Einladungen mal wieder für uns sein möchten, ziehen wir einfach in eines der unzähligen verlassenen Lehmhäuser. Vielleicht liegt es an der Bevölkerungsdichte: Die Häuser sind komplett sauber, nicht einmal das obligatorische Graffiti ist zu finden. Gestört werden wir nur ein einziges Mal in ganz Iran: Ein Mann bietet uns am Morgen Tee an .

01.11. - 06.11.14 Yazd

Einfach durch die Gassen der Stadt laufen, ist wohl eine der größten Sehenswürdigkeiten. Der gesamte Altstadtkern sieht noch aus wie im Mittelalter. Dicht an dicht reihen sich die Lehmhäuser, gerade Gassen gibt es kaum, dafür immer wieder Sackgassen. Versteckt in diesem Labyrinth finden wir traditionelle Hotels und Restaurants. Die gemütlich eingerichteten, überdachten Innenhöfe laden unbedingt zum Verweilen ein und sogar die Preise sind fair. Außerdem finden wir hier, was wir in ganz Iran noch nicht gesehen haben: Touristen .
Foto in Kürze
SHOPPING ist angesagt! Karinas Vaude Schuhe sind WIRKLICH eine weite Strecke gereist, doch inzwischen sind sie bereits mehr Erde als Schuh . Aus alter Reisetradition und als ehrvollen Altersruhesitz wählt Karina daher wie schon einmal in Kolumbien eine erhebende Position .
Schon wieder ein Kuchenbild?! Na dann muss wohl wieder ein Geburtstag anstehen! Alles Gute, Jan! Und nur so nebenbei: Man glaubt es nicht, doch der Iran ist ein Tortenparadies! Überall gibt es Konditoreien voller sahniger Leckereien und man bezahlt pro Kilo gerade mal 2-3 € ! Ein Glück, dass wir gerade so viel Sport machen ...
Das ist mal Propaganda: Der Innenhof einer Moschee quillt nur so über von USA-feindlicher "Kunst". Dabei haben viele Bewohner nicht einmal etwas gegen Amerikaner an sich und regen sich über die polarisierenden Haltungen beider Regierungen auf. Zwischen der langen Reihe an Vorwürfen zur Kriegstreiberei der USA finden wir auch ein dunkles Stück deutscher Geschichte in Form eines Hakenkreuzes, gelegt aus Knochen.  

Das Hussein Fest, bzw. Ashura-Fest, ist die wichtigste Feierlichkeit im schiitischen Kalender. Ein wenig verschreckt von der recht fanatischen Liebe zu Imam Hussein so vieler Menschen, verfolgen wir die Festlichkeiten eher am Rande des Geschehens oder über den Fernseher. Dort sind für die Woche der Festlichkeiten Musik und Freude nicht zu finden - man soll nun trauern. Stattdessen sehen wir tausende Männer, die im Chor Klagelieder singen, kollektiv weinen oder sich im Rhythmus des Gebets die eigene Brust schlagen. Auf der Straße herrscht schwarz noch mehr vor, als ohnehin, das Wasser in Springbrunnen wird blutrot gefärbt und bei Straßenprozessionen tragen Männer schwere, schmerzende Gestelle oder peitschen sich selbst aus, um das Leid ihres geliebten Imams nach zu empfinden.

Wer nun denkt, daß Schiiten durchaus seltsame Menschen sind, vergleiche das Treiben mit der Passion Christi. Auch ihr wird jährlich tausendfach und ebenfalls oft schmerzlich bedacht.

Unsere Meinung dazu: Solange sie nur sich selbst foltern, in welcher Weise auch immer, wünschen wir, nun ja, viel Vergnügen.


Yazd, eine der ältesten noch existierenden Städte der Welt, ist berühmt für seine Windfänger bzw. ersten Klimaanlagen der Welt . Jede noch so kleine Brise wird eingefangen, durch Wasser gekühlt und in die Zimmer der ihm Sommer drückend heißen Stadt umgelenkt. Ziemlich clever .

Unser wichtigster Gang in Yazd war der zur Touristenpolizei, um unser Visum zu verlängern. Sie zu finden, war allerdings eine echte Herausforderung! Die im Internet zu findende Adresse stimmt nicht im geringsten und an der richtigen Adresse (Kashani Boulevard, 250 m nördlich des Abozar Square, linke Straßenseite) steht lediglich ein Schild in Farsi. Aber praktisch JEDER Ausländer lernt das ja bereits im Grundschulalter...

Wichtig für andere Reisende:

- verlängert werden kann das iranische Touristenvisum ohne große Wartezeiten nur einmal, das zweite Mal kann zwei Wochen dauern.

- jeder, der verlängern möchte, muss persönlich anwesend sein und braucht zwei Passbilder.

- man erhält maximal einen Monat, muss jedoch bei einem Interview glaubwürdig die Notwendigkeit erklären, sonst bekommt man weniger. Bei uns als Fahrradreisende hat es gereicht, von der großen Entfernung zur Grenze zu sprechen. Wahrheitsgemäß fügen wir hinzu, daß die große Gastfreundschaft unser Reisetempo sehr verlangsamt.

- Die Kosten belaufen sich nur auf wenige Euro.
 

Ach, was sollen wir schreiben, über ein Land, dass so völlig anders ist, als es die Medien darstellen? Dessen Regierung im Gegensatz zur gelebten Realität mit den iranischen Mitmenschen so völlig anders ist, wie die Kehrseiten einer Medaille. Vielleicht müssen wir einfach wirklich immer und immer wiederholen, wie wahrlich wunderbar wir uns hier fühlen!

Uns geht es wunderbar!! Der einzige Grund, warum wir uns so selten melden ist der eingeschränkte Zugang zum Internet. Und der einzige Grund, warum wir langsamer als geplant vorwärts kommen, ist die immense Gastfreundschaft und Freundlichkeit, die uns auf dem Weg tagtäglich entgegen gebracht wird. Wir haben in all den Ländern dieser Erde, die wir bisher in unseren Leben kennenlernen durften noch niemals ein solch gastfreundliches Land mit solch herzlichen, interessierten Menschen erlebt, die die Kunst des Gebens in ihrer Vollendung leben! Wir können viel lernen!
 

Ja, welches ist nun die Herrentoilette ?!
Foto in Kürze

01.11.14 Taft

DA ist Schnee! Und ja, wir wissen auch, das Yazd eigentlich eine Wüste ist...
 

31.10.14 Bei Dehshir, vor Yazd

Ein plötzlicher und heftiger Schauer veranlasst uns, unter einer Überdachung bei einer Siedlung Schutz suchen, bis wir unsere Regensachen aus den Taschen geholt haben. Es schüttet, also beschließen wir, das Schlimmste abzuwarten. Erst jetzt bemerken wir, das wir mit unseren Fahrrädern unter der Überdachung einiger Gräber stehen. Schon kommt ein Anwohner rasch auf uns zu - wohl um sich zu Recht über unsere Unverschämtheit zu beschweren! Doch davon will er nichts wissen und lädt uns lieber zu seiner Familie zum Tee und Granatäpfeln ein. Die Kommunikation ist schwierig - wir sind wohl mal wieder die ersten Touristen in diesem Haus. Natürlich zeigen wir die für solche Anlässe gedruckten Bilder, haben aber nicht das Gefühl, viel Eindruck hinterlassen zu haben. Beim Abschied nach vielleicht nur einer Stunde werden wir dann überrascht, als wir Tränen in den Augen der Frau wahrnehmen. Es lohnt sich wohl immer, freundlich zu sein, auch wenn man manchmal meint, sich vergebens bemüht zu haben...
 

Später kämpfen wir uns den letzten Berg vor Yazd hoch, während ein unheimlich starker Regen einsetzt und das in der Wüste! Es wird dunkel und schließlich stoppt uns die Polizei, die doch tatsächlich besorgt um unsere Sicherheit ist. Für die Bergspitze ist sogar Schnee angesagt und so stimmen wir schließlich zu, im Pickup der Straßenwacht mitzufahren. Im Auto sehen wir, wie schlecht die Sicht vor lauter Regen auf die enge Straße ist und sind froh über die vermiedene Gefahr.

So erreichen wir Taft nur wenige Tage vor dem Hussein Fest bzw. Ashura-Fest. Vor allem hier, doch auch in jeder anderen größeren Stadt werden sich schon bald tausende Gläubige in Gedanken an den ermordeten Imam Hussein einfinden, um eine Woche zu trauern, zu weinen und sich selbst zu kasteien.
Durch A., der uns auf der Straße anspricht und letztendlich zum Essen einlädt (obwohl wir IHN zum Tee einladen wollten..), lernen wir das Gericht "Ob Guuscht", übersetzt "Fleischwasser", kennen. Dafür werden Tonkrüge mit Ziegenfleisch, Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, Karotten und Gewürzen gefüllt, das ganze mit Wasser aufgefüllt und für Stunden in den Ofen gestellt. Dazu wird natürlich eine Menge Fladenbrot serviert. Da wir im Iran ohnehin nur schwierig komplett vegetarisch leben können, lassen wir es uns schmecken. Und es schmeckt!! Ziegen leben immerhin bis zu ihrem Tod in natürlicher Umgebung, was unser Gewissen entlastet.

30.10.14 Bei Dehshir, vor Yazd

Den Umständen entsprechend und zur besseren Übersicht ausnahmsweise mal ein aus der Chronologie gerissener Bericht:

Das Wetter und die Einsamkeit der Wüste laden, wie schon so oft, zum campieren ein. Heute bekommen wir jedoch Besuch von einem kleinen Gast mit großen Folgen, die sich erst viel später offenbaren werden: Jan wird vier mal von einer Sandfliege gebissen. Am Morgen sehen sie wie normale Mückenstiche aus, doch verschwinden auch nach Tagen nicht. Im Internet lesen wir von der im Iran weit verbreiteten Hautkrankheit Leishmaniose und vergleichen Fotos mit Jans Bissen. Nach zehn Tagen geht er in Kashan ins Krankenhaus. Gleich drei Ärzte widersprechen uns und Jan bekommt Salben gegen Hautausschlag. Haben wir uns also geirrt?! Wäre ja prima, die Ärzte hier kennen sich ja mit der Krankheit aus...

 

Nun - die Geschichte geht anders weiter: Die Male wachsen und wachsen, bis wir keinen Zweifel mehr haben. Wir lesen von der "besten" Medizin, die erst vor wenigen Jahren in Deutschland entwickelt wurde. Dieses Mittel gibt es jedoch erst in Griechenland, also beschließen wir weiter zu fahren. Dass es sicherlich auch andere Mittel gegeben hätte, vor allem wenn wir früher mit der Behandlung begonnen hätten, bedenken wir nicht.

 

Etwa eine Woche, bevor wir nach Griechenland einreisen wollen, verschlechtert sich Jans Zustand drastisch. Die infizierten Stellen öffnen sich und von nun an würde die Schilderung unappetitlich werden. Wir steigen also gerade an einer der schönsten Stecken der Türkei in den Bus bzw. trampen, um möglichst schnell nach Rhodos zu kommen.

 

Dort bekommt Jan eine sog. Kryotherapie. Auf gut Deutsch ist das eine Behandlung mit flüssigem Stickstoff, also -200 Grad Kälte. Die Ärztin hat durchaus Recht, als sie sagt "das wird jetzt ziemlich weh tun". Anschließend kann Jan nur unter Schmerzen gehen, geheilt ist er jedoch nicht. Auch nach Tagen verbessert sich sein Zustand nicht und so beschließen wir jegliche Reisepläne und Inselerkundungen beizulegen, um möglichst schnell nach Athen zu kommen.

 

Hier wird Jan in einer Spezialklinik für Hautkrankheiten für fast vier Wochen aufgenommen und erhält endlich eine adäquate Behandlung. Das Antifungal (also eigentlich ein Pilzmittel) Fluctonasol scheint auch gut gegen Leishmaniose eingesetzt werden zu können. Tatsächlich geht es das erste Mal seit drei Monaten aufwärts! Doch auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist noch nicht alles überstanden. Die letztendliche Heilung, also das vollständige Abheilen aller Wunden lässt noch einige Wochen auf sich warten...

 

28.10.14 Auf dem Weg nach Yazd

Eigentlich ist es eine ganz normale Rast, doch dann fährt ein Bus (hauptsächlich) voller Dänen vor. Die Touristen, von denen viele Deutsch sprechen, sind nicht nur brennend an unseren Erlebnissen interessiert, sondern laden uns auch gleich noch zum Kaffee ein und bieten sogar an, uns kostenlos mitzunehmen. Letzteres lehnen wir dankend ab, denn gerade ist das Klima (die Gastfreundschaft ohnehin) perfekt zum radeln.

Jan trägt kurze Hosen im Iran? Eine Beleidigung der Einheimischen, das darf man nicht machen - sagen uns Touristen aus den Niederlanden. Das wussten wir und trotzdem macht es Jan, da vor allem die Jugend, aber auch viele weltoffene Einheimische uns darum gebeten haben. Ausländer werden für solcherlei Vergehen nicht belangt und man hilft so, die konservative Bevölkerung zu einer liberaleren Kleiderordnung zu führen. Genauso helfen Touristinnen, die einen nicht allzu langen Mantel und/oder Bluse mit nicht ganz langen Ärmeln tragen oder ihr Haarschal etwas von den Haaren erkennen läßt.

EINDEUTIG das Gegenstück von Sir-Jan! Jans dunkle Seite: Arsen-Jan .

27.10.14 Saadat Shahr

Während der Suche nach einem Schlafplatz streifen wir ein wenig unschlüssig durch die Stadt. Sollen wir irgendwo zelten, wollen wir irgendwo nach einer Unterkunft fragen? Vor einem Krankenhaus, in dem wir vorsichtshalber Wasser holen, um zelten zu können, spricht uns ein freundlich lächelnder Mann an. K. spricht ein wenig Englisch und macht es kurz: "Mein Haus ist euer Haus". Bei einer so freundlichen Einladung können wir nicht Nein sagen! Beeindruckend: K. hat  komplett autodidaktisch Englisch gelernt, nicht für seine Arbeit als Bauer, sondern um mit Fremden sprechen zu können. Er genießt es sichtlich, seine erlernten Worte zu benutzen und ist im Gegenzug unser bisher bester Farsi-Lehrer. Ebenso wie seine überhaupt nicht schüchterne Tochter N.


27.10.14 Persepolis

Seltsame Geräusche lassen uns einen Blick in eine Grube werfen: Dort ist alles voller kleiner Hundebabys, die keine Mutter haben. Wir füttern ein wenig Milchpulver, dann finden wir heraus, wieso sie trotz fehlender Mutter so stark aussehen - die Securities haben sich ihrer bereits angenommen und lassen immer wieder haufenweise Fleischreste in der Grube verschwinden. Schön, dass sich hier jemand um kleine Zwerge kümmert - äußerst selten übrigens in Asien!

26.10.14 Persepolis
Wir besuchen die berühmte Ausgrabungsstätte
Persepolis - Hauptstadt des riesigen alten Perserreichs, 520 v. Chr. gegründet von Dareios I.

Vor dem Eingang treffen wir die Österreicher Martin und Heinrich, die mit dem Motorrad - schicke BMWs - in den Iran gekommen sind. Sie werden noch vor der Kälte des Winters zurück sein. Wow, was für ein Unterschied an Reisegeschwindigkeit... Von Martins Vater Manu, der ursprünglich aus dem Iran ist, erfahren wir, wie das Leben vor der Revolution im Iran war: westlich und modern. Davon ist leider jetzt nichts mehr zu sehen..

Wow, die Berge um Persepolis wimmeln von wildem Safran. Sollten wir besser einige pflücken, um unser Reisebudget aufzufüllen ?!
Es ist spät geworden, während wir hier alten Kulturen auf der Schliche waren. Weiter fahren lohnt nicht mehr, doch wo sollen wir heute Nacht bleiben? Die Securities haben eine einfache Lösung: In ihrem Wohncontainer .

25.10.14 Marvdasht

Auf der Verlobungsfeier lernten wir E. kennen. Sie und Ihre Familie wohnen entlang unserer weiteren Strecke und so lädt uns spontan zu sich nach Hause ein.

19.-24.10.14 Shiraz

Wir erreichen Shiraz, die (außer vielleicht Teheran) westlichste Stadt des Landes. Hafez, der berühmteste Dichter des Landes hat hier gelebt. Ebenfalls von hier kommt eine der berühmtesten Weinreben der Welt, doch das spielt seit der Revolution und dem einhergegangenen Alkoholverbot keine Rolle mehr.
 
Wir sind seid fast drei Wochen im Iran. Täglich "überfallen" uns "Terroristen", die uns schamlos mit Obst beschenken oder uns gefangen halten, um uns mit Gastfreundschaft zu überhäufen!

Unsere Reisegeschwindigkeit hat sich mindestens halbiert, nicht weil das Terrain so schwierig ist, sondern weil es so schwer ist, die unzähligen Einladungen abzulehnen. In Geschäften wird uns immer wieder verboten, zu zahlen und wir schlafen nur noch in der Wildnis, wenn wir gerade Lust darauf haben, unter Millionen von Sternen zu schlafen - bisher haben wir praktisch jede Nacht eine Einladung zu einer Familie bekommen.
 
Das Klima hat sich von schwül und heiß in der Nähe des Meeres zu angenehmer Milde in einer Höhe von 1.650 m verschoben. Die von anhaltender Dürre geplagte Landschaft erhält durch Dattelpalmen, Feigen- und Granatapfelbäume ein wenig Grün zurück.
Wenn die seit mehr als zehn Jahren andauernde Dürre weiter anhält, wird jedoch vermutlich das Leben immer mehr aus dem Süden des Irans verdrängt werden.
 
"Jan und Karina um die Welt" auf Farsi. Aber das kann ja sowieso jeder hier lesen, nicht wahr ?!
Erneut finden wir durch den Fahrradfahrer H. neue Freunde: H., N. und N. nehmen uns überaus herzlich bei sich auf. Schnell lernen wir die ganze Familie kennen und lieben. H. spricht gutes Englisch und somit können wir uns über vieles austauschen.
Über unsere Freunde in Shiraz haben wir die einzigartige Gelegenheit, bei einer offiziellen Verlobungsfeier dabei zu sein. Die beiden Familien werden in großer Zahl zusammen geführt, die meisten sehen sich heute zum ersten Mal. Auch wird von den Oberhäuptern der Familien der Brautpreis festgelegt. In diesem Fall sind es hundert Goldmünzen. Neben einem üppigen Schmaus gibt es Obst, Tee und Süßigkeiten. Mit Tanzen oder intensiven Gesprächen halten sich aber die meisten zurück. Dafür sind wohl alle noch ein wenig zu angespannt. Auf Wunsch der Familie veröffentlichen wir kein Foto...
Mittags ist hier hitzefrei oder zumindest geschlossen. Im Siesta halten ist der Iran definitiv Lateinamerika voraus
Die Vielfalte an Gewürzen auf dem Bazar sieht nicht nur spannend aus, sondern lockt uns auch zum Kauf: Hier wird in Kilo gerechnet und dementsprechend ist der Preis . Wir mussten einen ganzen Sack Curry kaufen, damit es genug für einen Geldschein war ...
Iran ist ein Brotland und wir glücklich, wieder picknicken zu können. Zu keiner Mahlzeit darf hier das Fladenbrot fehlen. Frisch vom Bäcker ist es wunderbar, doch schon nach einem Tag wird es hart. Der Tipp der Iraner: Nass sprühen, dann wird es wieder geschmeidig ...

Wir besuchen das Mausoleum Emamzadeh Shah-e Cheragh (King of Light), eine der wichtigsten Pilgerstätten der Schiiten. Die Wände sind komplett mit verwinkelten Spiegeln verziert. Diese sollen daran erinnern, dass alle Taten, gute wie schlechte, auf einen zurück fallen. Sehr gutes Sinnbild!
Karina darf das Gelände nur mit einem Chador (ihr erster Richtiger!) betreten. Im Grunde ein Bettlaken, das als Überwurf verwendet wird. Auf der Straße sind sie schwarz, zum Beten hell.



 

18.10.14 Zwischen Estahban und Shiraz
Ein Sturm bläst uns regelrecht von der Straße! Wir kämpfen mit aller Kraft, um voran zu kommen und sind auf der Ebene doch nicht schneller als 6 km/h. Bei einer Pause verstecken wir uns hinter den Mauern eines verlassenen Hauses. Selbst hierhin findet die Gastfreundschaft Irans: Eine Frau, die uns gesehen haben muss, bringt uns mit ihrer Tochter frischen Tee und setzt sich zu uns!

Wie gesagt, Regen gibt es hier nicht mehr und so werden die Brunnen, die das wertvolle Wasser liefern, immer tiefer. Rauchende Motoren pumpen das kostbare Nass rund um die Uhr in Tanks oder auf die Felder. Vielerorts sind jedoch auch schon die tiefsten Brunnen trocken und die Felder liegen brach. Akribisch wurden durch das ganze Feld Wassergräben gezogen, damit alles bereit ist, wenn irgendwann doch wieder Regen fällt.

17.10.14 Zwischen Estahban und Shiraz
Der direkte Weg ist nicht immer der schnellere und auch die größere Straße auf dem GPS ist nicht immer die bessere – diesen Satz sollten wir wie ein Mantra immer und immer wiederholen, bis wir ihn ENDLICH verinnerlichen . Zwischen Millionen Stacheln versuchen wir irgendwie über Steigungen bis 16 % auf den Felsbrocken voran zu kommen, die sich Straße nennen. Völlig abgekämpft entscheiden wir Stunden später, in eine (laut Karte) Sackgasse zu fahren, die uns schließlich wieder auf den richtigen Weg leitet. Unterwegs zapfen wir von Bewässerungsrohren Trinkwasser ab.

Bis nach Bolivien zum Salar de Uyuni haben wir es ja leider nicht geschafft, also machen wir einen Umweg zum Bakhtegan Salzsee, der erst vor wenigen Jahren komplett ausgetrocknet ist. Die obligatorischen „Perspektivenfotos“ holen wir hier nach .

16.10.14
Fast täglich bekommen wir auf der Straße Granatäpfel (hier „Anor“) geschenkt – für uns die Nationalfrucht Irans. Es ist gerade beste Erntezeit und die Früchte sind einfach nur Geschmacks-GRANATEN

Wir radeln durch Feigengebiet! Überall stehen die kleinen Bäume, die die Welt mit ihren herrlichen Früchten beschenken. Die kleinen Feigen werden am Baum belassen, bis sie fast völlig von der Sonne getrocknet wurden und dann geerntet. So werden sie haltbar und passen prima in Radlerhosentaschen . Die jungen Pflanzen sind der erbarmungslosen Sonne noch nicht gewachsen und brauchen ihren eigenen Sonnenschutz…



Wir schauen einmal gegen die Morgensonne, dann nochmal… da ist doch… Ja, eine alte Felsenfestung, so gut getarnt, dass selbst wir als uns langsam fortbewegende Fahrradreisende fast vorbeigefahren wären. In einem Land mit so großer Geschichte gibt es immer wieder versteckte Schätze zu finden.

15.10.14 Eij
Durch D., ein weiteres Mitglied des Darab Fahrradclubs, bekommen wir einen Schlafplatz in einem „Imamzadeh“. Dies ist im Zwölfer-Schia Islam ein Reliquienschrein von Nachfahren einer der zwölf Imame (hier: religiös-politische Oberhäupter der islamischen Gemeinschaft in Nachfolge des Propheten Mohammad), der Ziel von Pilgern ist. Aufgrund dessen gibt es neben Imamzadehs häufig mit Teppichen ausgelegte Räume, in denen man kostenlos oder gegen eine Spende übernachten kann.

15.10.14 Darab
Wie in jedem Land zuvor möchten wir aus Respekt vor den Einwohnern und der Kultur die jeweilige Flagge zusätzlich zu unseren am Fahrrad führen. Noch haben wir jedoch keine gefunden. Heute hilft uns ein Freund von S., der froh ist, uns helfen zu können.

V., der ebenfalls Mitglied des Fahrradclubs ist, hat uns nicht nur gestern zu einem Abendessen bei sich und seiner Familie eingeladen, sondern nutzt seinen freien Tag, um mit uns einen Großteil unserer Tagestour auf dem Fahrrad zu begleiten.

Wasserknappheit ist für viele nur ein recht leeres Wort. Auf den Felsen oben im Bild zeigen die weißen Schilder den früheren Wasserstand des Stausees an, den wir gerade durchqueren. Anschaulich genug?!

14.10.14 Darab
Es soll uns an nichts fehlen und so bekommen wir zum Frühstück DEUTSCHES Fernsehen angeschaltet, das hier über Satellit empfangen wird .

Überall im Land finden wir schöne Moscheen im Iran-typischen Mosaikstil. Mit S. besuchen wir eine davon.

Im Schiitischen Glauben wird beim Gebet der Kopf immer wieder auf diese Gebetssteine gelegt.

13.10.14 Darab
H. stellt für uns den Kontakt zu seinem Freund S. her. Beide sind Mitglied im örtlichen Fahrradclub und genau dieser kommt uns am Morgen in freudiger Erwartung entgegen gefahren, um uns zusammen mit einigen Mitgliedern des Radclubs willkommen zu heißen, uns die Sehenswürdigkeiten der Gegend zu zeigen und später bei sich aufzunehmen.

Auch E., H.'s Bruder, der zufällig in der Gegend ist, wünscht uns noch einmal alles Gute. Dummerweise hat Jan ihm einige Tage zuvor nebenbei gesagt, dass er sich mal eine neue Sonnenbrille kaufen muss, da die alte völlig zerkratzt ist. Hier ist das ein großer Fehler, denn natürlich hat er das nicht vergessen und besteht nun darauf seine neue Brille mit Jans alter zu tauschen… So sind eben die Iraner

S. und der Fahrradclub zeigen uns einen zweitausend Jahre alten Feuertempel der Zoroastrier, der in einem Stück aus dem Fels geschlagen wurde. Viele wissen gar nicht, dass die Perser erst durch die Eroberung der Araber im Jahr 642 nach und nach zum moslemischen Glauben bewegt wurden. Zuvor wurde die Sonne angebetet. Nach dem Glaubenswechsel wurden viele heilige Stätten in Moscheen umgewandelt. So heißt dieser Tempel nun Steinmoschee. Ebenso besuchen wir ein Felsrelief aus sassanidischer Zeit (224 - 651 n. Chr.), das den Sieg des sassanidischen König Shapur I über den römischen Herrscher Valerian in 260 n. Chr. darstellt, sowie eine zerfallenen Lehmpalast, wie wir später im Iran noch einige mehr finden werden.

S. und seine Familie kümmern sich königlich um uns und wir bekommen traditionelle persische Gaumenfreuden zu essen.

Daumen hoch? Besser nicht im Iran! S. erklärt uns, dass die Geste hier einer Beleidigung mit dem Mittelfinger gleich kommt. Tatsächlich hat sich diese Geste aber unserer Erfahrung nach dank Facebook extrem verwestlicht und wird inzwischen von allen jüngeren Menschen wie in Deutschland als positives Zeichen angewandt.

12.10.14 Auf dem Weg nach Shiraz
Noch nie auf unserer Reise war es so einfach, draußen zu schlafen! Die Temperaturen gehen in der Nacht auf ein angenehmes Maß herunter und wirklich ÜBERALL gibt es Möglichkeiten, ein ungestörtes Nachtlager aufzubauen. Mücken gibt es durch den fehlenden Regen keine und so genießen wir es, einfach so unter freiem Himmel zu schlafen.